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savemynature TEAM:  VIRTUELLER WASSERHANDEL

(Please find the english version below)

Definition und Geschichte des virtuellen Wasserhandels

Zur Produktion eines Gutes oder zur Erbringung einer Dienstleistung wird eine bestimmte Menge an Wasser gebraucht. Virtuelles Wasser umfasst Wasser, das in der gesamten Produktions-, Entwicklungs- beziehungsweise Dienstleistungskette verwendet wird. In der Regel handelt es sich in diesem Zusammenhang bei industriellen Gütern um Kühlwasser. In der Tierproduktion ist es unter anderem das von den Tieren benötigte Trinkwasser. Zum größten Teil ist dieses zur Produktion genutzte virtuelle Wasser nicht mehr oder nur in einem sehr geringem Umfang in dem Endprodukt enthalten. Daher ist es nur noch „virtuell“ vorhanden. Wenn diese produzierten Güter gehandelt werden, zum Beispiel die Agrarprodukte, wie Obst, Gemüse oder Getreide, die Industrieprodukte, wie Autos, Computer, Leder oder Kunststoffe und die tierischen Produkte, wie Fleisch, wird vom virtuellen Wasserhandel gesprochen. Denn wenn ein Land ein wasserintensives Produkt in ein anderes Land exportiert, exportiert es Wasser in virtueller Form.

Bei genauer Betrachtung kann der Begriff virtuelles Wasser in zwei verschiedenen Ansätzen definiert werden. Der Eine aus der Sichtweise der Produktion und der Andere aus der Sichtweise des Konsums. Der erstgenannte Ansatz quantifiziert virtuelles Wasser als das eigentliche Wasser, das für die Herstellung der Ware verwendet wird. Das Wasser ist produktionsstandortspezifisch, sein Vorkommen hängt von Ort und Zeit der Produktion sowie der örtlichen Wassernutzungseffizienz ab. Im zweiten Ansatz wird der virtuelle Wassergehalt als die Menge definiert, die erforderlich wäre, um das Produkt dort zu produzieren wo es gebraucht wird. Daher ist es verbrauchsseitenspezifisch. Der zweite hier angeführte Ansatz ist zentral, um zu bestimmen, welche Menge Wasser gespart werden kann, wenn eine Ware importiert und nicht vor Ort produziert wird.

Der virtuelle Wassergehalt eines Produktes besteht aus drei Komponenten. Aus dem grünen, blauen Wasser und dem grauen Wasser. Der grüne virtuelle Wassergehalt eines Produktes ist das Regenwasser, das während des Herstellungsprozesses verdampft. Dies ist vor allem für landwirtschaftliche Erzeugnisse wichtig, sofern diese sich auf die gesamte Wasserverdunstung des Regenwassers während der Vegetationsperiode der Pflanze beziehen. Der blaue virtuelle Wassergehalt eines Produktes ist das Volumen des Oberflächen- und des Grundwassers, das als Folge der Herstellung des Produktes verdampft. Im Falle der pflanzlichen Erzeugung ist das blaue Wasser der Inhalt einer Ernte als Summe der Verdunstung von Wasser zur Bewässerung aus dem Feld und die Verdunstung von Wasser aus Bewässerungskanälen und künstlichen Stauseen zu sehen. In den Fällen der industriellen Produktion und Wasserversorgung der Haushalte, entspricht das blaue Wasser der Produkte oder einer Dienstleistung dem Teil des Wassers aus Grund- oder Oberflächenwasser, der verdampft und nicht zurück in das ursprüngliche System zurück gelangt. Der graue virtuelle Wassergehalt eines Produktes ist das Volumen des Wassers, welches bei der Herstellung verunreinigt wird. Dies kann gemessen werden, indem die Erforderlichkeit des Volumens an Wasser zu verdünnenden Schadstoffemissionen zu dem natürlichen Wasserkreislauf während der Produktion getestet wird, damit die Qualität des Wassers beim vereinbarten Standard bleibt.



Von großer Bedeutung ist das blaue Wasser, das zur Bewässerung der Landwirtschaft genutzt wird, da es das einzige Reservoir für die Trinkwasserversorgung ist. Die alternative Nutzung des eingesparten Wassers als Trinkwasser ist politisch und praktisch von größter Bedeutung gegenüber landwirtschaftlichen oder industriellen Nutzungen. Dies fußt allerdings auf der gesellschaftlichen Entscheidung, ob die Nutzung oder welche Nutzungsart als prioritär angesehen wird.

Die Inanspruchnahme einer bestimmten Menge der Naturressource Wasser sollte einen spezifischen Verwendungszweck darstellen. Zu einem anderen Zweck kann dieselbe Menge an virtuellem Wasser mehr und effizienter in Anspruch genommen werden. Allerdings kann virtuelles Wasser nicht beliebig verwendet werden, da Wasser eine knappe Ressource ist. Um zu bestimmen, in welchem Umfang ein Land tatsächlich die Wasserressourcen der Erde beansprucht, sollte das virtuelle Wasser, das ein Land importiert, zu den im Land genutzten Wasserressourcen hinzugezählt werden.

Am Anfang jeder Überlegung, wie die Ressource Wasser global am effizientesten genutzt werden kann, steht die Frage, wie viel Wasser gespart werden könnte, wenn das Produkt im Land produziert und nicht importiert werden würde. Dabei ist zu beachten, dass es Produkte gibt, die in einigen Ländern nicht produziert werden können. In diesem Fall ist es möglich zum Vergleich ein Substitutionsgut heranzuziehen. Alle gehandelten Waren können auf ihren Wassereinsatz und ihre Ersetzbarkeit durch andere, äquivalente Waren, die weniger Wasser verbrauchen, untersucht werden. Die Ergebnisse der Analysen des virtuellen Wassers sowie der globale Warenhandel können dazu genutzt werden, die Ressource Wasser wesentlich effizienter zu nutzen und auch zwischen wasserreichen und wasserarmen Regionen gleichmäßiger zu verteilen.

Die folgende Abbildung zeigt ausgewählte Beispiele für die Mengen an virtuellem Wasser, die sich hinter Alltagsprodukten verbergen. Bei den Angaben handelt es sich um auf die globale Produktion bezogene Durchschnittswerte.


Abbildung: Virtueller Wasserverbrauch von Alltagsprodukten

Die Produkte mit besonders hohem, virtuellem Wasserverbrauch sind Kakao, Rindfleisch, Autos, PCs und Leder. Dabei ist der Zusammenhang wichtig, dass für die Herstellung von einem Kilo Rindfleisch, sechs Kilo Getreide (Weizen ist nach Reis das häufigste angebaute Getreide der Welt) und für ein Kilo Hühnerfleisch drei Kilo Getreide benötigt werden.

Der Begriff „Virtuelles Wasser“ wurde 1994 erstmals von dem Wasserexperten J.A. Allan definiert, am Institut für Orientalische und Afrikanische Studien.
Der ursprüngliche Gedanke stammt aus den 1980 Jahren. Der Israeli Gideon Fishelson erstellte eine Analyse über die in Israel produzierten und für den Export bestimmten Agrarprodukte. Er stellte den Sinn dieser Verschwendung kostbaren Wassers in Frage.
J.A. Allan interessierte sich für die MENA -Region (MENA steht für "Middle East and North Africa") und deren sich verschlechternde Wassersituation. Er schlug dieser Region vor, wasserintensive landwirtschaftliche Produkte zu importieren, anstatt diese selber zu produzieren. Den Import virtuellen Wassers strategisch zu beeinflussen, sah er als praktische alternative Wasserquelle.
Im Dezember 2002 fand die erste internationale Zusammenkunft in Delft statt, auf der dieses Thema erstmals ausführlich erörtert wurde. Beim World Water Forum in Japan 2003 wurde die Diskussion über die Thematik fortgesetzt. J.A. Allan, A.Y. Hoekstra und P.Q. Hung, sowie D. Renault und D. Zimmer sind heute die führenden Forscher auf diesem Gebiet. Ist bekannt, welche Menge an virtuellem Wasser die Produktion eines Agrar- oder Industrieproduktes verbraucht, kann Aufmerksamkeit und Umsichtigkeit beim Umgang mit Wasser erzeugt werden. Dieses Bewusstsein kann zu einem nachhaltigeren und bewussteren Verbrauch der knappen Ressource führen.

LINK ZU EINEM ARTIKEL „Der virtuelle Wassermarkt“ mit einer Fotostrecke zu virtuellem Wasser

Informationen zu Virtuellem Wasser

Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V, Poster unter: http://www.virtuelles-wasser.de/poster_virtuelles_wasser.html

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VIRTUAL WATER TRADE

Definition and history of virtual water trade.

For the production of a good or for perfoming a service, a certain amount of water is needed. Virtual water includes water, which is used in the total production- and development or service chain. Usually this means cooling water in connection with industrial goods. In animal production, it means amongst others the amount of drinking water, needed by animals. The major part of the virtual water used in the production is not included in the final product – if at all. Therefore it is only “virtually” there. If these produced goods, for example agricultural products like fruits, vegetables or grain, industrial products like cars, computers, leather or plastics or animal products like flesh are traded we speak about virtual water trade. For when one country exports a water intensive product to another country, it exports water in virtual form.

On closer examination, the term “virtual water” can be defined in two ways. One way is, to define it from the production’s point of view; the other is to define it from the consumption’s viewpoint. The first way quantifies virtual water as the actual water, which was used for the production of a certain good. Water is specific to the location of the production; its occurrence depends on the place and time of the production as well as on the local efficiency of water use. The second way defines virtual water amount as the amount of water that would be necessary to produce the product, where it is needed. Therefore it is consumption specific. This second approach is central in determining, what amount of water can be saved, when a product is imported and not produced on site.

The amount of virtual water of a product consists of three components: Green water, blue water and grey water. The green virtual amount of water of a product is rain water that is evaporating during the production process. This is especially important for agricultural products, if this applies to the whole evaporation of rainwater during the growth period of a certain plant. The blue amount of virtual water is the volume of surface and ground water, evaporating because of the production of a good. In the case of plant-derived production, blue water is the content of a harvest as the sum of the evaporation of water used for watering the field, the evaporation from irrigation canals and artificial lakes.
In cases of industrial production and the water supply of households, the amount of blue water of the good or service relates to the amount of ground or surface water that evaporates and is not re-entering the original system.
The grey amount of virtual water of a product is the volume of water that is polluted during production. This can be measured by testing the necessity of cleansing the water of harmful substances in comparison to the natural water circuit so that common standards are upheld.

Blue Water, used for irrigation in agriculture, is of great importance, as it is the only reservoir of drinking water. The alternative use of the saved water as drinking water is politically and practically of great importance compared to agricultural or industrial use.  This is based on the societal decision, if the use or what use is seen as priority.

The claim of a certain amount of the natural resource water should be made wisely and for a specific use. For another use, the same amount of virtual water can be claimed more efficiently. Despite that, virtual water can not used randomly, because water is a limited resource. To find out to what extend a country actually draws on the water resources of the earth, the virtual water a country imports should be added to the water resources used inside this country.

At the beginning of every consideration of how water resources could be used globally in the most efficient way is the question of how much water could be saved, if a certain product would be produced in a country instead of being imported. It should be considered, though, that there are products which cannot be produced in certain countries. In this case, it is possible to use a substitution for the sake of comparison. All traded goods can be tested on their use of water and their replaceability by other, equivalent goods that use less water. The results of analysis of virtual water trade as well as the global good trade can be used to use the resource water more efficiently and to distribute it more equally between water rich and arid regions.

The following graphic shows some examples for the amounts of virtual water that is used in every day’s products. The numbers given are based on the average amount of use in global production.

Products with an especially high use of virtual water are cacao, beef, cars, PCs and leather. In this regards, it is important that for the production of one kilo of beef, six kilos of grain are needed (wheat is, after rice, the grain that is mostly grown all over the world), for one kilo of chicken, three kilos of grain are needed.

The Term “virtual water” was first defined in 1994 by the water expert J.A. Allan at the Institute for Oriental and African Studies.
The original thought first surfaced in the 1980s. Israeli Gideon Fishelson built an analysis of the agricultural products produced in Israel and used for exportation. He doubted the use of this waste of precious water. J.A. Allan was interested in the MENA-Region (MENA - "Middle East and North Africa") and its deteriorating water situation. He suggested that this region imports water intensive, agricultural products instead of producing them. He saw the strategic influence on the import of virtual water as a practical alternative water source.

In December 2002, the first international meeting discussing this topic extensively was held in Delft. At the World Water Forum 2003 in Japan, the discussion of this topic continued. J.A. Allan, A.Y. Hoekstra and P.Q. Hung as well as D. Renault and D. Zimmer are today’s leading scientists in this field. If it is known, what amount of virtual water the production of an agricultural or industrial product needs, an awareness and cautiousness with the use of water can be created. This awareness can lead to a more sustainable and cautious use of the limited resource.