Vegetarians and vegans
Mitglieder 66
Gegründet 2010/04/23
Gründer André Pix
Status öffentlich
Beschreibung Es gibt viele Gründe für eine vegetarische bzw. vegane Ernährung. Aber ganz gleich ob es nun ethische, ökologische, kulturelle oder gesundheitliche Motive sind: Hier in der Gruppe ist jeder willkommen!

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There are many reason for a vegetarian or vegan diet but no matter whether your motives are ethical, ecological, cultural or health related: In this group everybody is welcome!
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Ansteck naddl:  Hier gibts leckere vegane Rezepte (grade auch für Umsteiger...)
http://dieumsteiger.blogspot.de/
http://www.mehr-als-rohkost.de/
http://www.veganguerilla.de/
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Andrea K.:  Muffin Mania - Hier soll die größte Datenbank mit veganen Muffin Rezepten entstehen. Eigene Rezepte können dort auch hochgeladen werden.
http://provamel-muffin-mania.de/rezepte.php
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Anna savemynature: 
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Marie savemynature:  Fleischlos glücklich - davon sind immer mehr Menschen in Deutschland überzeugt. Das zeigen zumindest neue Zahlen des Vegetarierbundes. Demnach gab es in Deutschland im vergangenen Jahr zwischen sieben und acht Millionen Vegetarier. Damit verzichtet etwa jeder Zehnte auf Fleisch. Eine Sprecherin des Vegetarierbundes sagte, die Zahlen seien in den letzten drei Jahren explodiert. Viele Menschen seien durch Bücher von bekennenden Vegetariern auf das Thema aufmerksam geworden.

Buchtipp: "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer



weitere Infos zum Buch/ Bildquelle
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Anna savemynature:  -> LINK: 7 Ways to Make Veganism Even Healthier

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Florian Sulies:  "Zehn Gründe, Veganer zu hassen"
(Achtung, der Titel ist ironisch ^^)

http://www.youtube.com/watch?v=iP0FrMCkn1I
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Anna savemynature:  Wie sieht das eigentlich aus, wenn Vegetarier jagen gehen? Eventuell so:


LINK
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Anna savemynature:  -> fruit and veggies are colourful, fun looking foods!

the battle of the veggies

LINK
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Florian Sulies:  Interessant: Die Friedrich-Schiller-Universität in Jena hat eine groß angelegte Vegetarierstudie durchgeführt! Erste Ergebnisse sind hier zu finden:

http://www.vegetarierstudie.uni-jena.de/
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Anna savemynature:  Vegetarisch im Aufwärtstrend. Die vegetarischen Burger bei McDonald’s gehen so gut, dass bald ein zweiter eingeführt wird.
LINK: McDonald’s bringt in Kürze den Veggieburger TS auf den Markt
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Anna savemynature:  6 Ways to Raise a Veggie Lovin' Kid
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Anna savemynature:  10 Vegan Lunch Ideas:

• 1 Bean dips and spreads – Use spreads like Hummus and Fresh Shell Bean and Sage Spread on sandwiches or as a dip for pita, crackers, or vegetables.

• 2 Chickpea sandwich – This Chickpea of the Sea sandwich filling can be made with vegan mayo or a vinaigrette in place of the mayo.

• 3 Couscous – Couscous is fantastic both warm and cool; try Israeli Couscous with Chard or Couscous with Raisins, Pine Nuts, and Capers.

• 7 Eggplant spread – Use sweet, smoky Baba Ghanoush as a spread for vegetable sandwiches and wraps.

• 4 Lentils and grains – We can never get enough of this balanced and filling Lentil Salad with farro, cucumbers, and tomatoes.

• 5 Maki sushi – Wrap seaweed and rice around cucumber, carrot, burdock, or other vegetables; see Make Vegetable Maki Sushi With Kids! and Umeshiso Maki Sushi for preparation and filling tips.

• 6 Protein-packed stews – If you have a thermos or access to a microwave, these stews would be delicious and nourishing: Curried Vegetable and Chickpea Stew, Sweet Potato and Tempeh Stew, Vegetarian Black Bean Espresso Chili (omit the honey or substitute maple syrup).

• 8 Soba – Japanese buckwheat noodles are so satisfying in dishes like Cold Soba, Sesame and Carrot Salad and Jackie's Cold Buckwheat Noodles with Julienned Vegetables (omit the egg).

• 9 Spring or summer rolls – Like sushi, you can fill spring or summer rolls with all kinds of vegetables and tofu; check out this refreshing recipe for Vegetable and Mint Summer Rolls with Spicy Peanut Sauce.

• 10 Vietnamese noodle salad – Pack the noodles, tofu, greens, and sauce for Bún Chay separately and then toss them together just before eating.

LINK
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Anna savemynature:  LINK: 10 Things Never To Say To A Vegan
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Anna savemynature:  hier ein super LINK: http://veganheadchef.com/
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Florian Sulies:  Hallo ihr alle ^^

Was haltet ihr von der Idee, eine Lebensmittelkennzeichnung einzuführen, die deutlich macht, ob ein Produkt tierische Produkte wie Milch und Ei oder Fleischprodukte enthält? Ich könnte mir das als eine Art Siegel vorstellen, das ein Produkt als vegan oder vegetarisch kennzeichnet.

Die Idee kam uns, als wir uns im Weltladen eine Schokolade gekauft haben und zuhause feststellen mussten, dass in dieser Schokolade Grieben, also Schweineschmalz, drin war. Das hat uns erstmal schockiert und geärgert (wer tut schon Schmalz in Schokolade?) und uns dann auf die Idee gebracht, ein solches Siegel zu kreieren.

Man könnte eine entsprechende Initiative als e-Petition in den Bundestag einbringen oder an die Bundestagsabgeordneten seiner Region herantragen. Ich weiß, dass es schwierig werden kann, wenn es noch nicht mal möglich scheint, eine sinnvolle Kennzeichnung (z.B. per Ampel) durchzusetzen; aber bei 6 Millionen Vegetariern in Deutschland hat eine Petition, wenn sie richtig beworben wird, durchaus die Chance, die geforderten 50.000 Unterzeichner zu erreichen.

Ich freue mich auf Feedback! Der Übersichtlichkeit halber könnt ihr auch auf mein Profil antworten, um diesen Thread nicht mit einer Diskussion zu verstopfen.

Liebe Grüße!
Florian
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Martha savemynature:  hallo ich bin neu
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Martha savemynature:  Hallo
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jan saver:  Gemüse ist mein Fleisch
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jan saver:  Depression link to processed food
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Gerry Schneider:  "Um eines kleinen Bissens Fleisches willen..."

Eine Veterinär-Studentin im Schlachthof

"Es werden nur Tiere angenommen, die tierschutzgerecht transportiert werden und ordnungsgemäss gekennzeichnet sind", steht auf dem Schild über der Betonrampe. Am Ende der Rampe liegt, steif und bleich, ein totes Schwein. "Ja, manche sterben schon während des Transportes. Kreislaufkollaps."

Erlebt und geschrieben von Christiane M. Haupt

Was für ein Glück, dass ich die alte Jacke mitgenommen habe. Obwohl erst Anfang Oktober, ist es schneidend kalt, aber ich friere nicht nur deswegen. Ich vergrabe die Hände in den Taschen, zwinge mich zu einem freundlichen Gesicht und dazu, dem Direktor des Schlachthofes zuzuhören, der mir eben erklärt, dass man längst keine Lebenduntersuchung mehr vornimmt, nur eine Lebendbeschau. 700 Schweine pro Tag, wie sollte das auch gehen. "Es sind eh keine kranken Tiere dabei. Die würden wir sofort zurückschicken, und das kostet den Anlieferer eine empfindliche Strafe. Das macht der einmal und dann nicht wieder." Ich nicke pflichtschuldig - durch, nur durchhalten, du musst diese sechs Wochen hinter dich bringen - , was passiert mit kranken Schweinen? "Da gibt es einen ganz speziellen Schlachthof." Ich erfahre einiges über die Transportverordnungen, und wieviel genauer man es heutzutage mit dem Tierschutz nimmt. Das Wort, an diesem Ort gesprochen, klingt makaber. Inzwischen hat sich der vielstimmig grunzende und quiekende Doppeldecktransporter unter uns bis an die Rampe heranrangiert. Einzelheiten sind in der morgendlichen Dunkelheit kaum auszumachen; die Szenerie hat etwas Unwirkliches und gemahnt an jene gespenstischen Wochenschauen aus dem Krieg, an graue Waggonreihen voller ängstlicher bleicher Gesichter an Laderampen, über die geduckte Menschenmengen von gewehrtragenden Männern getrieben werden. Plötzlich bin ich mittendrin. So etwas träumt man in bösen Träumen, aus denen man schweissgebadet aufschreckt: Inmitten wabernden Nebels, in Eiseskälte und schmutzigem Zwielicht dieses unnennbar böse Bauwerk, dieser flache, anonyme Klotz aus Beton und Stahl und weissen Kacheln, ganz hinten am frosterstarrten Waldesrand; hier geschieht das Unaussprechliche, wovon niemand wissen will. Die Schreie sind das erste, was ich höre an jenem Morgen, als ich eintreffe, um ein Pflichtpraktikum anzutreten, dessen Verweigerung für mich fünf verlorene Studienjahre und das Scheitern aller Zukunftspläne bedeutet hätte. Aber alles in mir – jede Faser, jeder Gedanke – ist Verweigerung, ist Abscheu und Entsetzen und das Bewusstsein nicht steigerbarer Ohnmacht: Zusehen müssen, nichts tun können, und sie werden dich zwingen mitzumachen, dich ebenfalls mit Blut zu besudeln. Schon aus der Ferne, als ich aus dem Bus steige, treffen die Schreie der Schweine mich wie ein Messerstich. Sechs Wochen lang werden sie mir in den Ohren gellen, Stunde für Stunde, ohne Unterlass. Durchhalten. Für dich ist es irgendwann zu Ende. Für die Tiere nie.

So etwas träumt man in bösen Träumen, aus denen man schweissgebadet aufschreckt.

Ein kahler Hof, einige Kühltransporter, Schweinehälften am Haken in einer grell erleuchteten Türe. Alles peinlich sauber. Das ist die Vorderfront. Ich suche nach dem Eingang, er ist seitlich gelegen. Zwei Viehtransporter fahren an mir vorbei, gelbe Scheinwerfer im Morgendunst. Mir weist ein fahles Licht den Weg, erleuchtete Fenster. Ein paar Stufen, dann bin ich drinnen, und jetzt ist alles nur weissgekachelt. Keine Menschenseele zu sehen. Ein weisser Gang, – da, der Umkleideraum für Damen. Fast sieben Uhr, ich ziehe mich um: weiss, weiss, weiss. Der geliehene Helm schaukelt grotesk auf den glatten Haaren. Die Stiefel sind zu gross. Ich schlurfe wieder in den Gang, stosse beinahe mit dem zuständigen Veterinär zusammen. Artige Begrüssung. "Ich bin die neue Praktikantin." Bevor es losgeht, die Formalitäten. "Ziehen Sie sich mal was Warmes an, gehen Sie zum Direktor und geben Sie Ihr Gesundheitszeugnis ab. Dr. XX sagt Ihnen dann, wo Sie anfangen."

Schon aus der Ferne treffen die Schreie der Schweine mich wie ein Messerstich.

Der Direktor ist ein jovialer Herr, der mir erst einmal von den guten alten Zeiten erzählt, als der Schlachthof noch nicht privatisiert war. Dann hört er leider damit auf und beschliesst, mich persönlich herumzuführen. Und so komme ich also auf die Rampe. Rechter Hand kahle Betongevierte, von eisigen Stahlstangen umgeben. Einige sind bereits mit Schweinen gefüllt. "Wir beginnen hier um fünf Uhr morgens." Geschubse, hier und da Krabbeleien, ein paar neugierige Rüssel schieben sich durch die Gitter, pfiffige Augen, andere unstet und verwirrt. Eine grosse Sau geht beharrlich auf eine andere los; der Direktor angelt nach einem Stock und schlägt sie mehrfach auf den Kopf. "Die beissen sich sonst ganz böse." Unten hat der Transporter die Holzklappe heruntergelassen, die vordersten Schweine schrecken vor dem wackeligen und abschüssigen Übergang zurück, doch von hinten wird gedrängelt, da ein Treiber dazwischen geklettert ist und kräftige Hiebe mit einem Gummischlauch austeilt. Ich werde mich später nicht mehr wundern über die vielen roten Striemen auf den Schweinehälften.

"Der Elektrostab ist für Schweine inzwischen verboten", doziert der Direktor. Einige Tiere wagen strauchelnd und unsicher die ersten Schritte, dann wogt der Rest hinterher, eins rutscht mit dem Bein zwischen Klappe und Rampe, kommt wieder hoch, hinkt weiter. Sie finden sich zwischen Stahlverstrebungen wieder, die sie unentrinnbar in einen noch leeren Pferch führen. Wenn es um eine Ecke geht, verkeilen sich die vorderen Schweine, alle stecken fest, und der Treiber flucht wütend und drischt auf die hintersten ein, die panisch versuchen, auf ihre Leidesgenossen zu springen. Der Direktor schüttelt den Kopf. "Hirnlos. Einfach hirnlos. Wie oft habe ich schon gesagt, dass es doch nichts bringt, die hintersten zu prügeln!" Während ich noch wie erstarrt dieses Schauspiel verfolge – das ist bestimmt alles nicht wahr – du träumst –, wendet er sich ab und begrüsst den Fahrer eines weiteren Transportes, der neben den anderen gefahren ist und sich jetzt zum Ausladen bereit macht. Warum es hier viel schneller, aber auch mit noch viel mehr Geschrei vonstatten geht, sehe ich erst, als hinter den emporstolpernden Schweinen ein zweiter Mann aus dem Laderaum auftaucht, denn was nicht schnell genug ist, wird von ihm mit Elektroschocks bedacht. Ich starre den Mann an, dann den Direktor, und dieser schüttelt ein weiteres Mal den Kopf: "Also, Sie wissen doch, das ist bei Schweinen jetzt verboten!" Der Mann blickt ungläubig, dann steckt er das Gerät in die Tasche.

Wer spricht von der Intelligenz und Neugier in den Augen eines Schweines?

Von hinten stupst mich etwas in die Kniekehle, ich fahre herum und blicke in zwei wache blaue Augen. Viele Tierfreunde kenne ich, die enthusiastisch schwärmen von den ach so seelenvollen Katzenaugen, dem treuen Hundeblick, – wer spricht von der Intelligenz und Neugier in den Augen eines Schweines? Ich werde diese Augen sehr bald noch anders kennenlernen: Stumm schreiend vor Angst, von Schmerzen stumpf, und dann blicklos, gebrochen, aus den Höhlen gerissen, über den blutverschmierten Boden kollernd. Messerscharf streift mich ein Gedanke, den ich in den folgenden Wochen monoton noch viele hundert Male im Geiste wiederholen werde: Fleischessen ist ein Verbrechen – ein Verbrechen... Danach ein kurzer Rundgang durch den Schlachthof, im Pausenraum beginnend. Eine offene Fensterfront zur Schlachthalle, in unendlicher Folge schweben am Fliessband fahle, blutige Schweinehälften vorbei. Dessen ungeachtet sitzen zwei Angestellte beim Frühstück. Wurstbrot. Die weissen Kittel der beiden sind blutverschmiert, unter einem Gummistiefel hängt ein Fetzen Fleisch. Hier ist der unmenschliche Lärm noch gedämpft, der mir wenig später ohrenbetäubend entgegenschlägt, als ich in die Schlachthalle geführt werde. Ich fahre zurück, weil eine Schweinehälfte scharf um die Ecke saust und gegen die nächste klatscht. Sie hat mich gestreift, warm und teigig. Das ist nicht wahr – das ist absurd – unmöglich.

Unwillkürlich erwartet man Ungeheuer, aber es ist der nette Opa von nebenan, der flapsige junge Mann von der Strasse...

Alles zugleich stürzt auf mich ein. Schneidende Schreie. Das Kreischen von Maschinen. Blechgeklapper. Der durchdringende Gestank nach verbrannten Haaren und versengter Haut. Der Dunst von Blut und heissem Wasser. Gelächter, unbekümmerte Rufe. Blitzende Messer, durch Sehnen gebohrte Fleischerhaken, daran hängende halbe Tiere ohne Augen und mit zuckenden Muskeln. Fleischbrocken und Organe, die platschend in eine blutgefüllte Rinne fallen, so dass der eklige Sud an mir hochspritzt. Fettige Fleischfasern am Boden, auf denen man ausrutscht. Menschen in Weiss, von deren Kitteln das Blut rinnt, unter den Helmen oder Käppis Gesichter, wie man sie überall trifft: in der U-Bahn, im Kino, im Supermarkt. Unwillkürlich erwartet man Ungeheuer, aber es ist der nette Opa von nebenan, der flapsige junge Mann von der Strasse, der gepflegte Herr aus der Bank. Ich werde freundlich begrüsst. Der Direktor zeigt mir rasch noch die heute leere Rinderschlachthalle – "Rinder sind dienstags dran!" –, übergibt mich dann einer Dame und enteilt; er hat zu tun. "Die Tötungshalle können Sie sich ja selbst mal in aller Ruhe ansehen." Drei Wochen werden vergehen, ehe ich mich dazu überwinde.

Der erste Tag ist für mich noch Galgenfrist. Ich sitze in einem kleinen Zimmerchen neben dem Pausenraum und schnippele Stunde um Stunde kleine Fleischstückchen aus einem Eimer von Proben, den regelmässig eine blutige Hand aus der Schlachthalle nachfüllt. Jedes Stückchen – ein Tier. Das Ganze wird dann portionsweise zerhäckselt, mit Salzsäure angesetzt und gekocht, für die Trichinenuntersuchung. Die Dame zeigt mir alles. Man findet nie Trichinen, aber es ist Vorschrift.

Am nächsten Tag werde ich dann selbst zu einem Teil der gigantischen Zerstückelungsmaschinerie. Eine rasche Einweisung – "Hier, den Rest des Rachenringes entfernen und die Mandibularlymphknoten anschneiden. Manchmal hängt noch ein Hornschuh an den Klauen, den dann abmachen."–, und ich schneide drauflos, es muss schnell gehen, das Band läuft weiter, immer weiter. Über mir werden andere Teile des Kadavers entfernt. Arbeitet der Kollege zu schwungvoll, oder staut sich in der Rinne von mir zuviel blutiger Sud, spritzt mir der Brei bis ins Gesicht. Ich versuche, zur anderen Seite auszuweichen, doch da werden mit einer riesigen, wassersprühenden Säge die Schweine zerteilt; unmöglich kann man hier stehen, ohne nass bis auf die Knochen zu werden. Mit zusammengebissenen Zähnen säbele ich weiter, noch muss ich mich zu sehr eilen, um über all das Grauen nachdenken zu können, und ausserdem höllisch aufpassen, mir nicht in die Finger zu schneiden.

Gleich am nächsten Tag leihe ich mir von einer Kommilitonin, die das Ganze schon hinter sich hat, einen Kettenhandschuh. Und höre auf, die Schweine zu zählen, die triefend an mir vorübergleiten. Auch Gummihandschuhe verwende ich nicht länger. Zwar ist es grässlich, mit blossen Händen in den warmen Leichen herumzuwühlen, doch da man sich zwangsläufig bis an die Schultern beschmiert, läuft das klebrige Gemisch der Körperflüssigkeiten ohnehin in die Handschuhe hinein, so dass man sie sich auch sparen kann. Wozu drehen sie noch Horrorfilme, wenn es das hier gibt?

Die wahren Unmenschen sind all jene, die diesen Massenmord tagtäglich in Auftrag geben.

Bald ist das Messer stumpf. "Geben Sie her – ich schleif Ihnen das mal!" Der nette Opa, in Wahrheit ein altgedienter Fleischbeschauer, zwinkert mir zu. Nachdem er das geschärfte Messer zurückgebracht hat, schwätzt er ein bisschen herum, erzählt mir einen Witz und geht wieder an die Arbeit. Er nimmt mich auch künftig ein bisschen unter seine Fittiche und zeigt mir manchen kleinen Trick, der die Fliessbandarbeit erleichtert. "Gell? Ihnen gefällt das hier alles nicht. Sehe ich doch. Aber da muss man nun mal durch." Ich kann ihn nicht unsympathisch finden, er gibt sich grosse Mühe, mich etwas aufzuheitern. Auch die meisten anderen sind sehr bemüht zu helfen; sicher machen sie sich lustig über die vielen Praktikanten, die hier kommen und gehen, die erst schockiert, dann mit zusammengebissenen Zähnen ihre Zeit ableisten. Aber sie tun es gutmütig, Schikanen gibt es nicht. Es gibt mir zu denken, dass ich – von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen – die hier arbeitenden Leute gar nicht als Unmenschen empfinden kann, sie sind nur abgestumpft, wie auch ich selbst mit der Zeit. Das ist Selbstschutz. Man kann es sonst nicht ertragen. Nein, die wahren Unmenschen sind all jene, die diesen Massenmord tagtäglich in Auftrag geben, die durch ihre Gier nach Fleisch Tiere zu einem erbärmlichen Dasein und einem noch erbärmlicheren Ende – und andere Menschen zu einer entwürdigenden und verrohenden Arbeit zwingen.

Langsam werde ich zu einem kleinen Rädchen in dieser ungeheuren Automatik des Todes. Irgendwann im Verlauf der nicht enden wollenden Stunden werden die eintönigen Handgriffe mechanisch, und mühsam. Fast erstickt durch die ohrenbetäubende Kakophonie und Allgegenwärtigkeit unbeschreiblichen Grauens, gräbt sich der Verstand aus den Tiefen betäubter Sinne empor und fängt wieder an zu funktionieren. Differenziert, ordnet, versucht zu begreifen. Aber das ist unmöglich.

Als ich zum ersten Mal bewusst erfasse – am zweiten oder dritten Tag – dass ausgeblutete, abgeflammte und zersägte Schweine noch zucken und mit dem Schwänzchen wackeln, bin ich nicht in der Lage, mich zu bewegen. "Sie – sie zucken noch...", sage ich, obwohl ich ja weiss, dass es nur die Nerven sind, zu einem vorübergehenden Veterinär. Der grinst: "Verflixt, da hat einer ‘nen Fehler gemacht – das ist noch nicht richtig tot!" Gespenstischer Puls durchzittert die Tierhälften, überall. Ein Horrorkabinett. Mich friert bis ins Mark.

"Guck nicht so unfreundlich. Lächle mal. Du wolltest doch unbedingt Tierarzt werden."

Wieder daheim lege ich mich aufs Bett und starre an die Decke. Stunde für Stunde. Jeden Tag. Meine nächste Umgebung reagiert gereizt. "Guck nicht so unfreundlich. Lächle mal. Du wolltest doch unbedingt Tierarzt werden." Tierarzt. Nicht Tierschlächter. Ich halte es nicht aus. Diese Kommentare. Diese Gleichgültigkeit. Diese Selbstverständlichkeit des Mordens. Ich möchte, ich muss sprechen, es mir von der Seele reden. Ich ersticke daran. Von dem Schwein möchte ich erzählen, das nicht mehr laufen konnte, mit gegrätschen Hinterbeinen dasass. Das sie solange traten und schlugen, bis sie es in die Tötungsbox hineingeprügelt hatten. Das ich mir hinterher ansah, als es zerteilt an mir vorüberpendelte: beidseitiger Muskelabriss an den Innenschenkeln. Schlachtnummer 530 an jenem Tag, nie vergesse ich diese Zahl. Ich möchte von den Rinderschlachttagen erzählen, von den sanften braunen Augen, die so voller Panik sind. Von den Fluchtversuchen, von all den Schlägen und Flüchen, bis das unselige Tier endlich im eisernen Pferch zum Bolzenschuss bereit steht, mit Panoramablick auf die Halle, wo die Artgenossen gehäutet und zerstückelt werden, – dann der tödliche Schuss, im nächsten Moment schon die Kette am Hinterfuss, die das ausschlagende, sich windende Tier in die Höhe zieht, während unten bereits der Kopf abgesäbelt wird. Und immer noch, kopflos, Ströme von Blut ausspeiend, bäumt der Leib sich auf, treten die Beine um sich... Erzählen von dem grässlich-schmatzenden Geräusch, wenn eine Winde die Haut vom Körper reisst, von der automatisierten Rollbewegung der Finger, mit der die Abdecker die Augäpfel – die verdrehten, rotgeäderten, hervorquellenden – aus den Augenhöhlen klauben und in ein Loch im Boden werfen, in dem der "Abfall" verschwindet. Von der verschmierten Aluminiumrutsche, auf der alle Innereien landen, die aus dem riesigen geköpften Kadaver gerissen werden, und die dann, bis auf Leber, Herz, Lungen und Zunge – zum Verzehr geeignet – in einer Art Müllschlucker verschwinden.

Kleine, schon ganz fertig aussehende Kälbchen in allen Grössen, zart und nackt und mit geschlossenen Augen in ihren schützenden Fruchtblasen, die sie nicht zu schützen vermochten...

Erzählen möchte ich, dass immer wieder inmitten dieses schleimigen, blutigen Berges ein trächtiger Uterus zu finden ist, dass ich kleine, schon ganz fertig aussehende Kälbchen in allen Grössen gesehen habe, zart und nackt und mit geschlossenen Augen in ihren schützenden Fruchtblasen, die sie nicht zu schützen vermochten, – das kleinste so winzig wie ein neugeborenes Kätzchen und doch eine richtige Miniatur-Kuh, das grösste weich behaart, braunweiss und mit langen seidigen Wimpern, nur wenige Wochen vor der Geburt. "Ist es nicht ein Wunder, was die Natur so erschafft?" meint der Veterinär, der an diesem Tag Dienst hat, und schiebt Uterus samt Fötus in den gurgelnden Müllschlucker. Und ich weiss nun ganz sicher, dass es keinen Gott geben kann, denn kein Blitz fährt vom Himmel hernieder, diesen Frevel zu rächen, der seinen Fortgang nimmt, wieder und wieder.

Auch für die erbärmlich magere Kuh, die, als ich morgens um sieben komme, krampfhaft zuckend im eisigen, zugigen Gang liegt kurz vor der Tötungsbox, gibt es keinen Gott und niemanden, der sich ihrer erbarmt in Form eines schnellen Schusses. Erst müssen die übrigen Schlachttiere abgefertigt werden. Als ich mittags gehe, liegt sie immer noch und zuckt, niemand, trotz mehrfacher Aufforderung, hat sie erlöst. Ich habe das Halfter, das unbarmherzig scharf in ihr Fleisch schnitt, gelockert und ihre Stirn gestreichelt. Sie blickt mich an mit ihren riesiggrossen Augen, und ich erlebe nun selbst, dass Kühe weinen können.

Die Schuld, ein Verbrechen tatenlos mitanzusehen, wiegt so schwer wie die es zu begehen. Ich fühle mich so unendlich schuldig.

Meine Hände, Kittel, Schürze und Stiefel sind besudelt vom Blute ihrer Artgenossen, stundenlang habe ich unter dem Band gestanden, Herzen und Lungen und Lebern aufgeschnitten, – "Bei den Rindern saut man sich immer total ein", bin ich bereits gewarnt worden.

Das ist es, wovon ich berichten möchte, um es nicht allein tragen zu müssen, – aber im Grunde will es keiner hören. Nicht, dass ich während dieser Zeit nicht oft genug befragt werde. "Wie ist es denn so im Schlachthof? Also, ich könnte das ja nicht!" Ich grabe mir mit den Fingernägeln scharfe Halbmonde in die Handflächen, um nicht in diese mitleidigen Gesichter zu schlagen, oder um nicht den Telefonhörer aus dem Fenster zu werfen, – schreien möchte ich, aber längst hat all das, was ich tagtäglich mitansehe, jeden Schrei in der Kehle erstickt. Keiner hat gefragt, ob ich es kann. Reaktionen auf noch so karge Antworten verraten Unbehagen ob des Themas. "Ja, das ist ganz schrecklich, und wir essen auch nur noch selten Fleisch." Oft werde ich angespornt: "Beiss die Zähne zusammen, du musst da durch, und bald hast du es ja hinter dir!" Für mich eine der schlimmsten, herzlosesten und ignorantesten Äusserungen, denn das Massaker geht weiter, Tag für Tag. Ich glaube, niemand hat begriffen, dass mein Problem weniger darin bestand, diese sechs Wochen zu überleben, sondern dass dieser ungeheure Massenmord geschieht, millionenfach, – für jeden geschieht, der Fleisch isst. Besonders jene Fleischesser, die von sich behaupten, Tierfreunde zu sein, werden für mich nun vollends unglaubwürdig.

"Hör auf – verdirb mir nicht den Appetit!" Auch damit bin ich mehr als einmal rigoros abgewürgt worden, gefolgt von der Steigerung: "Du bist ein Terrorist! Jeder normale Mensch lacht dich doch aus!" Wie allein man sich in solchen Augenblicken vorkommt. Ab und zu sehe ich mir den kleinen Rinderfetus an, den ich mit heimgenommen und in Formalin eingelegt habe. Memento mori. Lass sie lachen, die "normalen Menschen".

Augen, die ich niemals mehr vergessen kann, Augen, in die jeder sehen sollte, den es nach Fleisch verlangt.

Die Dinge abstrahieren sich, wenn man von soviel gewaltsamen Tod umgeben ist; das eigene Leben erscheint unendlich bedeutungslos. Irgendwann blickt man auf die anonymen Reihen zerstückelter Schweine, die mäanderförmig durch die Halle ziehen, und fragt sich: Wäre es anders, wenn hier Menschen hingen? Insbesondere die rückwärtige Anatomie der Schlachttiere, dick und pickelig und rotgefleckt, erinnert verblüffend an das, was an sonnigen Urlaubsstränden fettig unter engen Badehosen hervorquillt. Auch die nicht endenwollenden Schreie, die aus der Tötungshalle herübergellen, wenn die Schweine den Tod spüren, könnten von Frauen oder Kindern stammen. Abstumpfung bleibt nicht aus. Irgendwann denke ich nur noch, aufhören, es soll aufhören, hoffentlich macht er schnell mit den Elektrozangen, damit es endlich aufhört. "Viele geben keinen Ton vor sich", hat einer der Veterinäre einmal gesagt, "andere stehen eben da und schreien völlig grundlos."

Ich sehe mir auch das an, – wie sie dastehen und "völlig grundlos" schreien. Mehr als die Hälfte des Praktikums ist vorüber, als ich endlich in die Tötungshalle gehe, um sagen zu können: "Ich habe gesehen." Hier schliesst sich der Weg, der vorn an der Laderampe beginnt. Der kahle Gang, in den alle Pferche münden, verjüngt sich und führt eine Tür in einen kleinen Wartepferch für jeweils vier oder fünf Schweine. Sollte ich je den Begriff ‚Angst’ bildlich darstellen, ich würde die Schweine zeichnen, die sich hier gegen die hinter ihnen geschlossene Tür zusammendrängen, ich würde ihre Augen zeichnen. Augen, die ich niemals mehr vergessen kann. Augen, in die jeder sehen sollte, den es nach Fleisch verlangt.

Mit Hilfe eines Gummischlauches werden die Schweine separiert. Eines wird nach vorn in einen Stand getrieben, der es von allen Seiten umschliesst. Es schreit, versucht nach hinten auszubrechen, und häufig hat der Treiber alle Hände voll zu tun, ehe er endlich mit einem elektrischen Schieber den Stand schliessen kann. Ein Knopfdruck, der Boden des Standes wird durch eine Art fahrbaren Schlitten ersetzt, auf dem sich das Schwein rittlings wiederfindet, ein zweiter Schieber vor ihm öffnet sich, und der Schlitten mit dem Tier gleitet hinüber in eine weitere Box. Der danebenstehende Grobschlächter – ich habe ihn insgeheim immer ‚Frankenstein’ genannt – setzt die Elektroden an; eine Dreipunktbetäubung, wie der Direktor mir einst erklärt hat. Man sieht das Schwein sich in der Box aufbäumen, dann klappt der Schlitten weg, und das zuckende Tier schlägt auf einer blutüberströmten Rutsche auf und zappelt mit den Beinen. Auch hier wartet ein Grobschlächter, zielsicher trifft das Messer unter dem rechten Vorderbein, ein Schwall dunklen Blutes schiesst hervor, und der Körper rutscht weiter. Sekunden später hat sich bereits eine Eisenkette um ein Hinterbein geschlossen und das Tier emporgezogen, und der Grobschlächter legt das Messer ab, greift nach einer verschmierten Cola-Flasche, die auf dem zentimeterdick mit geronnenem Blut bedeckten Boden steht, und genehmigt sich einen Schluck.

Feuer flammt auf, und mehrere Sekunden lang werden die Körper herumgeschüttelt und scheinen einen grotesken Springtanz aufzuführen.

Ich folge den am Haken baumelnden, ausblutenden Kadavern in die "Hölle". So habe ich den nächsten Raum genannt. Er ist hoch und schwarz, voll von Russ, Gestank und Feuer. Nach einigen bluttriefenden Kurven erreicht die Schweinereihe eine Art riesigen Ofen. Hier wird entborstet. Von oben fallen die Tiere in einen Auffangtrichter und gleiten in das Innere der Maschine. Man kann hineinsehen. Feuer flammt auf, und mehrere Sekunden lang werden die Körper herumgeschüttelt und scheinen einen grotesken Springtanz aufzuführen. Dann klatschen sie auf der anderen Seite auf einen grossen Tisch, werden sofort von zwei Grobschlächtern ergriffen, die noch verbliebene Borsten herunterkratzen, die Augäpfel herausreissen und die Hornschuhe von den Klauen trennen. Einen Moment nur dauert dies alles, hier wird im Akkord gearbeitet. Haken durch die Sehnen der Hinterläufe, schon hängen die toten Tiere wieder und gleiten nun zu einem stählernen Rahmen, der wie ein Flammenwerfer konzipiert ist: Ein bellendes Geräusch, und der Tierkörper wird von einem Dutzend Stichflammen eingehüllt und einige Sekunden lang abgeflammt. Das Fliessband setzt sich wieder in Bewegung, führt in die nächste Halle, – jene, wo ich schon drei Wochen lang gestanden habe. Die Organe werden entnommen und auf dem oberen Fliessband bearbeitet: Zunge durchtasten, Mandeln und Speiseröhre abtrennen und fortwerfen, Lymphknoten anschneiden, Lunge zum Abfall, Luftröhre und Herz eröffnen, Trichinenprobe entnehmen, Gallenblase entfernen und Leber auf Wurmknoten untersuche. Viele Schweine sind verwurmt, ihre Lebern sind von Wurmknoten durchsetzt und müssen weggeworfen werden. Alle übrigen Organe wie Magen, Darm und Geschlechtsapparat landen im Abfall. Am unteren Fliessband wird der Restkörper gebrauchsfertig gemacht: zerteilt, Gelenke angeschnitten, After, Nieren und Flomen entfernt, Gehirn und Rückenmark abgesaugt etc., dann Stempel auf Schulter, Nacken, Lende, Bauch und Keule aufgebracht, gewogen und in die Kühlhalle befördert. Nicht zum Verzehr geeignete Tiere werden "vorläufig beschlagnahmt". Das Stempeln ist für den ungeübten Schweissarbeit, die lauwarmen, glitschigen Kadaver hängen zum Schluss des Bandes hin sehr hoch, und will man nicht von ihnen erschlagen werden, muss man sich beeilen, denn vor der Waage klatschen die Hälften mit viel Wucht aufeinander.

Mir ist, als ob diese Besudelung und der Geruch für immer an mir haften. Hinaus, nur hinaus...

Wie oft mein Blick in all diesen Tagen zur Uhr schweift, die im Pausenraum hängt, vermag ich nicht zu sagen. Ganz gewiss geht keine Uhr auf der ganzen Welt langsamer als diese. Jeden Vormittag ist zur Halbzeit eine Pause erlaubt, aufatmend eile ich in den Waschraum, reinige mich notdürftig von Blut und Fleischfetzen; mir ist, als ob diese Besudelung und der Geruch für immer an mir haften. Hinaus, nur hinaus. Ich habe in diesem Haus nie auch nur einen Bissen essen können. Entweder verbringe ich die Pause, so kalt es auch sein mag, draussen, laufe bis an den Stacheldrahtzaun vor und starre hinüber auf die Felder und den Waldrand, beobachte die Krähen. Oder ich gehe zum jenseits der Strasse gelegenen Einkaufszentrum, dort ist eine kleine Bäckerei, wo man sich bei einer Tasse Kaffee aufwärmen kann. Zwanzig Minuten später zurück ans Band. Fleisch essen ist ein Verbrechen. Kein Fleischesser kann je wieder mein Freund sein. Niemals. Niemals wieder. Jeden, denke ich, jeden der Fleisch isst, sollte man hier durchschicken, jeder müsste es sehen, von Anfang bis Ende.

Das steril verschweisste Schnitzel im Supermarkt hat keine Augen mehr, die überquellen vor nackter Todesangst, es schreit nicht mehr.

Ich stehe hier nicht, weil ich Tierarzt werden will, sondern weil Menschen meinen, Fleisch essen zu müssen. Und nicht nur das allein: Auch, weil sie feige sind. Das steril verschweisste Schnitzel im Supermarkt hat keine Augen mehr, die überquellen vor nackter Todesangst, es schreit nicht mehr. Das alles ersparen sie sich, all jene, die sich von geschändeten Leichen nähren: "Also, ich könnte das nicht!" Dann, eines Tages, kommt ein Bauer und bringt Fleischproben zur Trichinenuntersuchung. Sein kleiner Bub begleitet ihn, zehn oder elf Jahre alt vielleicht. Ich sehe, wie das Kind seine Nase an der Scheibe plattdrückt, und denke: Wenn die Kinder es sähen, all dieses Grauen, all die ermordeten Tiere, gäbe es da nicht noch Hoffnung? Ich kann genau hören, wie der Bub nach seinem Vater ruft. "Papi, schau mal! Geil! Diese grosse Säge da. – "

Am Abend, im Fernsehen, berichtet "Aktenzeichen XY ungelöst" von dem Verbrechen an einem jungen Mädchen, das ermordet und zerstückelt wurde, und vom namenlosen Entsetzen und Abscheu der Bevölkerung auf diese Greueltat. "So etwas ähnliches habe ich diese Woche 3.700mal mitangesehen", werfe ich ein. Nun bin ich nicht mehr nur ein Terrorist, sondern obendrein krank im Kopf. Weil ich Entsetzen und Abscheu nicht nur wegen eines Menschenmordes empfinde, sondern auch wegen des tausendfach mit Füssen getretenen Mordes an Tieren: 3.700 mal nur in dieser einen Woche, nur in diesem einen Schlachthof. Mensch sein – heisst das nicht nein zu sagen und sich zu weigern, Auftraggeber eines Massenmordes zu sein – für ein Stück Fleisch? Sonderbare neue Welt. Vielleicht hatten die winzigen, dem Mutterleib entrissenen Kälbchen, die starben, bevor sie geboren wurden, das beste Los von uns allen.

Irgendwann ist der letzte all dieser nicht endenwollenden Tage gekommen. Irgendwann halte ich die Praktikumsbestätigung in Händen, einen Papierwisch, teurer bezahlt, als ich je für irgend etwas bezahlt habe. Die Tür schliesst sich, eine zaghafte Novembersonne geleitet mich über den kahlen Hof zum Bus. Schreie und Maschinenlärm werden leiser. Als ich die Strasse überquere, biegt ein grosser Viehtransporter mit Anhänger in die Zufahrt zum Schlachthof ein. Schweine auf zwei Etagen, dichtgedrängt.

Ich gehe ohne einen Blick zurück, denn ich habe Zeugnis abgelegt, und jetzt will ich versuchen zu vergessen, um weiterleben zu können. Kämpfen mögen nun andere; mir haben sie in jenem Haus die Kraft dazu genommen, den Willen, die Lebensfreude, und sie gegen Schuld und lähmende Traurigkeit getauscht. Die Hölle ist unter uns, vieltausendfach, Tag für Tag.

Eines aber bleibt immer, jedem von uns: Nein zu sagen.

<span>Nein, nein und abermals nein!</span>
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Gerry Schneider:  Essen wir die Welt kaputt?








Wenigen Menschen ist bewusst, wie weitreichend die Folgen einer Ernährungsweise mit Fleisch und anderen Produkten von Tier sind. Die damit verbundene intensive Tierhaltung ist nicht tiergerecht und trägt zur Klimaerwärmung, zum weltweiten Hunger und zu globalen Umweltschäden bei. In Anbetracht dieser Situation und eines drohenden Klimakollapses ist der sorglose Konsum von Produkten vom Tier nicht mehr hinnehmbar. Um den Fortbestand dieses Planeten zu sichern, werden die Menschen ihre Ess- und Lebensgewohnheiten ändern müssen.
Die Deutschen konsumieren fast 90 Kilo Fleisch und Fisch pro Jahr und Kopf1. Im Hinblick auf die klimaschädlichen Folgen dieser fleischlastigen Ernährung fordern hochrangige Politiker und Wissenschaftler, wie der ehemalige Chefökonom der Weltbank Lord Nicholas Stern oder der Vorsitzende des Weltklimarats und Nobelpreisträger Dr. Rachendra Pachauri, eine Reduzierung des Fleischkonsums2. In der wegweisenden Studie »Der lange Schatten der Tierzucht« 3 der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO (Food and Agricultural Organization) wird die Tierhaltung als die zweitwichtigste Ursache für den Klimawandel und als eine der Hauptursachen der größten Umweltprobleme bezeichnet. Nach der Studie erzeugt die landwirtschaftliche Tierhaltung mehr Treibhausemissionen als das gesamte Transportwesen. Das renommierte Worldwatch Institute kam in einer weiteren Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der für den menschlichen Konsum gehaltene Tierbestand sogar für mindestens 51 Prozent der weltweit ausgestoßenen klimaschädlichen Treibhausgase verantwortlich ist4.


25 Kilo Treibhausgase für einen Rinderbraten
Aber was macht die Tierhaltung so klimaschädlich? Zunächst stoßen die Tiere selbst Treibhausgase aus. In der Agrarwirtschaft sind es vor allem Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Wiederkäuer, also Rinder, Schafe und Ziegen, erzeugen bei der Verdauung große Mengen Methan, das über 23-mal stärker zur Klimaerwärmung beiträgt als Kohlendioxid (CO2) 5. Eine »Milchkuh« zum Beispiel emittiert im Durchschnitt 111,7 Kilogramm Methan im Jahr. Hinzu kommen täglich etwa 60 Liter lachgashaltige Gülle, die über 300-mal klimawirksamer ist als Kohlendioxid6. Durch die Lagerung und die Ausbringung der Gülle auf die Felder entstehen durch Umwandlungsprozesse weitere Mengen von Methan und Lachgas. Pro Kilo Rindfleisch fallen so bis zu 26 Kilogramm Treibhausgase an 7. Zum Vergleich: Ein Kilo Haferflocken produziert lediglich 0,8 Kilogramm Kohlendioxid8.

Waldsterben, überdüngte Meere und Wasserverschwendung
Nach einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz zur Massentierhaltung hat in der Landwirtschaft in Deutschland ein rasanter Strukturwandel stattgefunden9. Während die Mastbetriebe immer größer werden, geht die Zahl der Tierhalter insgesamt zurück. Eine besorgniserregende Tendenz: Kleine bäuerliche Betriebe weichen Megaställen. Da sie Gesundheitsbelastungen befürchten, wehren sich die Anwohner massiv gegen geplante Mastanlagen. Meistens ohne Erfolg. Ein weiteres Problem ist der Schadstoffeintrag in Form von Gülle und gasförmigen Ammoniak-Emissionen in Luft, Boden und Grundwasser. Die Gülle wird zwar als Dünger eingesetzt, es fällt jedoch mehr an, als von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Aus diesem Grund ist in vielen Regionen mit intensiver Schweinehaltung eine Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor zu verzeichnen. Dies trägt durch die Versauerung der Böden zum Waldsterben bei und führt durch die steigende Nitratbelastung der Gewässer zu einer Überdüngung von Oberflächengewässern und Meeren - eine ernste Gefahr für die biologische Vielfalt10.
Neben den genannten Umweltproblemen werden zur Erzeugung von Produkten vom Tier auch große Mengen Wasser verbraucht. Zur Erzeugung von einem Kilogramm Fleisch sind bis zu 100 000 Liter Wasser nötig. Diese hohe Zahl ergibt sich aus der Menge des Wassers, das für die Produktion des Futters nötig ist. Hinzu kommt der Wasserverbrauch in den Haltungsbetrieben und den Schlachthäusern11.

Wer sich vegetarisch ernährt, spart im Jahr nach einer Studie des Freiburger Öko-Instituts knapp 200 Kilogramm des Klimagases CO2. Bei einer konsequent vegetarischen Ernährung ohne Produkte vom Tier sind es sogar 450 Kilogramm12.


Die »Nutztiere« der Reichen fressen das Brot der Armen
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Land- und Lebensmittelverschwendung. Laut der oben genannten FAO-Studie werden rund 30 Prozent des eisfreien Landes direkt oder indirekt für die Tierzucht genutzt. Ein Großteil der weltweiten Getreide- und Sojaernte wird zu Tierfutter verarbeitet. Eine extreme Verschwendung von Nahrungsmitteln, denn bei der Umwandlung von pflanzlicher Nahrung in Produkte vom Tier geht ein Großteil des Energiegehaltes verloren, die sogenannten Veredelungsverluste. Je nach Tierart und Futter werden bis zu 16 Kilogramm Getreide zur Herstellung eines einzigen Kilogramms Fleisch benötigt13. Nur etwa zehn Prozent des verfütterten Getreides wird dabei in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen 90 Prozent Nahrungskalorien gehen verloren14. Aus den Erzeugerländern importiertes und an die »Nutztiere« verfüttertes Soja und Getreide entzieht den Menschen in ärmeren Ländern die Lebensgrundlagen. Dabei müsste kein Mensch hungern. Rein rechnerisch würden die heutigen Produktionskapazitäten für die Ernährung von neun Milliarden Menschen ausreichen15.

Globale Ernährungskrise vorprogrammiert
Der größte Teil der Landfläche der Erde wird für die Tierzucht »verbraucht«. Um Land für Weideflächen und Futtermittelanbau zu gewinnen, wird Urwald gerodet. Nach der genannten FAO-Studie wurden über 90 Prozent des Amazonas-Regenwaldes seit 1970 für die Neuschaffung von Weideland gerodet. Mit dem Urwald wird nicht nur ein wichtiger Kohlenstoffspeicher zerstört, mit ihm gehen auch seltene Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Und Besserung ist nicht in Sicht. Wenn die Prognose der FAO zutrifft, wird sich die globale Fleischproduktion bis 2050 noch einmal auf 465 Millionen Tonnen verdoppeln. Dann werden die Tiere so viel pflanzliche Nahrung verbrauchen wie vier Milliarden Menschen. Doch um diese zu produzieren, steht nicht genug Land und Süßwasser zur Verfügung. Eine globale Ernährungskrise ist vorprogrammiert. Im Forschungsreport der Bundesregierung fordern Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts daher, die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel aus pflanzlichen Rohstoffen zu prüfen16.

Leid der »Nutztiere«
Neben den globalen Folgen einer Ernährung mit Produkten vom Tier ist es für viele Menschen das unermessliche Leid der sogenannten Nutztiere, das sie dazu bewegt, ihre Konsumgewohnheiten zu überdenken. Denn damit Menschen Produkte wie Fleisch, Milch und Eier konsumieren können, leiden und sterben täglich Millionen von Tieren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2009 allein in Deutschland 56 Millionen Schweine geschlachtet17. Landwirtschaftliche Tierhaltung hat längst nichts mehr mit dem Bauernhofidyll zu tun, das die Produktverpackungen ziert. Um wirtschaftlich produzieren zu können, wurde die (Aus-)Nutzung der Tiere in speziellen Aufzucht-, Mast- und Schlachtbetrieben perfektioniert, in denen die Mitgeschöpfe zu Kennzahlen in einem industriellen Produktionsprozess geworden sind.

Tiere zu Höchstleistungen verdammt
»Masthühner«, »Legehennen«, Puten und »Milchkühe« werden durch züchterische Selektion zu widernatürlichen Höchstleistungen gezwungen - mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. So geben Kühe inzwischen im Durchschnitt zwischen 7000 und 10 000 Liter Milch pro Jahr - in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts war diese Menge noch um ein Zehnfaches kleiner. Für die Produktion dieser Milchmenge muss der Stoffwechsel der Kuh ständig Höchstleistungen erbringen, was zu gesundheitlichen Problemen wie z. B. Euterentzündungen führen kann. Damit die Kuh ständig Milch liefert, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Die Kälber werden meistens direkt nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt - eine Praxis, die für Mutter und Kalb traumatisch ist. Die meisten männlichen Kälber gelangen in die intensive Jungbullenmast und werden nach etwa fünf bis sechs Monaten geschlachtet. Die »Hochleistungsmilchkühe« sind meist schon nach zwei bis drei Kälbern ausgezehrt und landen mit vier bis fünf Jahren auf dem Schlachthof - das natürliche Alter einer Kuh kann jedoch bis etwa 20 Jahre betragen.
Nicht besser sieht es bei den Hühnern aus. Da bei der Nachzucht der »Legehennen« die männlichen Küken aus ökonomischer Sicht »wertlos« sind - ihre Mast würde im Vergleich zu den »Masthühner«-Rassen viel länger dauern -, werden alljährlich allein in Deutschland ca. 40 Millionen männliche Eintagsküken aussortiert und getötet18.


Tod vor Ende der Mast
Die stärkste Intensivierung hat in der Geflügelmast stattgefunden. Damit beispielsweise »Masthühner« in etwa 33 Tagen »schlachtreif« sind, hat man besonders schnell wachsende Mastlinien mit einem hohen Brustfleischanteil gezüchtet. Da man ihnen ihr natürliches Sättigungsgefühl »weggezüchtet« hat, haben sie nur eines im Sinn: fressen. Beine, Herz und Lunge können mit dem extremen Fleischzuwachs nicht mithalten. Viele Tiere leiden deswegen unter schmerzhaft verkrüppelten Beinen. Bis zu drei Prozent der »Masthühner« in Europa sterben vorzeitig an Herz-Kreislauf-Versagen - das entspricht etwa 12,6 Millionen Tieren pro Jahr allein in Deutschland, die noch vor dem Ende der Mast sterben19.

Verstümmelung ohne Betäubung
Schweine werden in industriell geprägten Mastanlagen mit hohen Besatzdichten in möglichst kurzer Zeit »schlachtreif« gemästet - ohne Rücksicht auf ihre natürlichen Bedürfnisse. Enge, permanenter Stress und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten führen zu Verhaltensanomalien bis hin zum Kannibalismus. Damit sich die Tiere unter diesen Haltungsbedingungen nicht gegenseitig verletzen und um den Ertrag nicht zu gefährden, werden den Schweinen Schwänze und Zähne abgekniffen. Um zu vermeiden, dass Fleisch männlicher Schweine den typischen Ebergeruch - der von deutschen Verbrauchern abgelehnt wird - aufweist, werden männliche Ferkel kastriert. Bei Kälbern werden die Hornanlagen entfernt, um den Umgang mit ihnen zu vereinfachen. Diese Eingriffe werden in der Regel ohne Betäubung durchgeführt -nach dem Tierschutzgesetz ist dies bis zum Alter von wenigen Tagen oder Wochen erlaubt und wird kaum in Frage gestellt, obwohl natürlich auch junge Tiere Schmerzen spüren. Die betäubungslose Kastration von Schweinen wird derzeit allerdings kritisch diskutiert. In einigen europäischen Ländern ist sie bereits verboten (Norwegen, Schweiz).

Schlachten bei Bewusstsein
Warmblütige Tiere müssen laut Tierschutzgesetz vor dem Schlachtvorgang - bei dem ihnen die Halsschlagadern zum Ausbluten eröffnet werden - betäubt werden. Die Betäubung wird durch Gas, Stromschlag oder Bolzenschuss vorgenommen. Häufig jedoch herrscht Zeitdruck und zum Teil findet die Schlachtung im Akkord statt, so dass es vorkommen kann, dass Tiere nur unzureichend betäubt werden. Dies kann dazu führen, dass sie den Tötungsschnitt und die anschließenden Stationen im Schlachtvorgang, bei Schweinen z. B. das Abbrühen in heißem Wasser oder bei Geflügeltieren das Rupfen, bewusst miterleben.

Antibiotika-Resistenzen
Die hohen Bestandsdichten in der industrialisierten Landwirtschaft begünstigen den Ausbruch von Tierkrankheiten, so dass den Tieren z. B. bei Infektionen Antibiotika und andere Medikamente verabreicht werden. Wissenschaftler der Universität von Kansas konnten feststellen, dass fast die Hälfte der weltweit produzierten Antibiotika in der intensiven Tierhaltung eingesetzt wird20. In einer vom nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegebenen Studie wurden in der Tierhaltung eingesetzte Antibiotika bereits in Nutzpflanzen nachgewiesen21. Besonders problematisch ist die Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen. Das bedeutet, dass sich Bakterien entwickeln, die gegen Antibiotika resistent sind und daher schwer zu behandelnde Krankheiten verursachen können. Durch den breiten Einsatz von Antibiotika besteht die Gefahr der Entstehung zunehmend resistenter Bakterien, die fatale Folgen auch für uns Menschen haben können. Denn bei einer ernstzunehmenden Infektion, wie beispielsweise einer Lungenentzündung, kann es passieren, dass Antibiotika nicht mehr wirken und Menschen im schlimmsten Fall sterben müssen.

Millionenfache Tierqual trotz Tierschutzgesetz
Zwar schreibt das Tierschutzgesetz in Paragraf 2 vor, dass Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden müssen. Was genau dies für die einzelnen Tierarten bedeutet - z. B. wie viel Platz sie zur Verfügung haben müssen -, steht in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Jedoch gibt es für einige Tierarten keine konkreten Vorschriften, so z. B. für »Milchkühe«, Puten oder »Mastkaninchen«. Und die für andere Tierarten wie »Legehennen«, Schweine oder Kälber vorliegenden Vorschriften sind absolut unzureichend. Daher sieht die Realität in deutschen Ställen traurig aus. Die meisten Tiere in der Intensivtierhaltung werden artwidrig gehalten, was mit wirtschaftlichen Zwängen gerechtfertigt wird. Viele Verbraucher kaufen vor allem nach dem Preis - also möglichst billig - und sind daher für die Zustände in der Tierhaltung mit verantwortlich.
Die Tierhaltung in der ökologischen Landwirtschaft ist zwar deutlich besser als in konventionellen Betrieben, da hier strengere - also tierschutzfreundlichere - Regelungen gelten. Doch auch diese Tiere landen am Ende im Schlachthof.

Fisch - eine Alternative?
Viele, die kein Fleisch mehr essen möchten, weichen auf Fisch aus. Sie denken, dass der Fisch wenigstens in Freiheit gelebt hat, bevor er gefangen wurde. Aber auch gegen den Verzehr von Fisch sprechen die Fakten: Jeden Tag werden Millionen von Fischen gefangen. Während sie mit feinmaschigen Netzen an die Oberfläche gezogen werden, erleiden sie eine qualvolle Druckverminderung, durch die ihre Schwimmblase zerreißen kann. Zudem kommt es vor, dass sich die Tiere gegenseitig durch ihr Körpergewicht erdrücken oder dass sie ersticken, da sie als Kiemenatmer aus der Luft keinen Sauerstoff aufnehmen können. Die Fische, die lebend in den Verarbeitungsprozess gelangen, werden bei lebendigem Leibe aufgeschnitten und verarbeitet oder eingefroren. Das grundsätzlich geltende Betäubungsgebot beim Schlachten gilt ausdrücklich nicht beim Massenfang von Fischen.

Leergefischte Meere und zerstörte Böden
Hinzu kommt die Plünderung unserer Meere durch Massenfischfang und moderne Fangtechniken. Weltweit sind bereits 75 Prozent der kommerziell genutzten Fischarten wie Tunfisch, Rotbarsch oder Nordseekabeljau überfischt22. Schleppnetze fangen wahllos alles und zerstören den Meeresboden und damit die Kinderstube der meisten Fische. Zusätzlich enden Millionen von Walen, Delfinen, Robben, Schildkröten, Seevögeln, Haien und Rochen als Beifang in den Netzen. Auch Fischzucht in sogenannten Aquakulturen ist höchst problematisch. In Aquakulturen werden Fische - wie in anderen Intensivtierhaltungen auch - auf engstem Raum gehalten. Dies kann zu Aggressionen und Verhaltensstörungen führen. Die Tiere verletzen sich bei den hohen Besatzdichten gegenseitig. Ansteckende Krankheiten und Parasiten wie Meerläuse verbreiten sich schnell. Die Sterblichkeitsraten in Aquakulturen liegen häufig oberhalb von 20 Prozent23. Die Aquakultur ist der am schnellsten wachsende Zweig in der globalen Ernährungswirtschaft. Leider bringt dies keine Entlastung für die überfischten Wildbestände - im Gegenteil. Der wachsende Bedarf an Futter in den Zuchten gefährdet die Fischbestände zusätzlich. Denn um ein Kilogramm Fisch aus Aquakultur zu züchten, werden im Durchschnitt vier Kilogramm frei lebender Fisch gefangen und verfüttert. Außerdem verursachen Aquakulturen Umweltschäden, wenn Antibiotika, die dem Futter zugesetzt werden, ins Meer gelangen24.

Zivilisationskrankheiten in den Industrieländern
Neben den ethischen, sozialen und ökologischen Aspekten gilt der hohe Konsum von Produkten vom Tier auch als Ursache vieler Zivilisationskrankheiten. Bereits zu Beginn der 80er-Jahre belegten drei große Vegetarierstudien der Universität Gießen, des Krebsforschungszentrums Heidelberg sowie des Bundesgesundheitsamtes Berlin unabhängig voneinander, dass vegetarisch lebende Menschen günstigere Werte in Bezug auf Blutdruck, Körpergewicht und Krankheitshäufigkeit sowie eine geringere Anfälligkeit für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine insgesamt höhere Lebenserwartung aufweisen25. Eine aktuelle Studie der Universität Oxford aus dem Jahre 2009 bestätigte, dass Vegetarier ein deutlich geringeres Risiko haben, an Krebs zu erkranken, als Fleischesser26. Aber nicht nur Fleisch, auch der hohe Konsum von Eiweiß aus Milchprodukten steht im Verdacht, unserer Gesundheit nicht zuträglich zu sein. Statt - wie von der Milchindustrie beschworen - Mineralstoffmangel aufzuheben, soll der Konsum von Milchprodukten durch Übersäuerung zu Osteoporose zu führen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2005 können Milchprodukte die Entstehung von Prostatakrebs begünstigen27. Auch die Tatsache, dass Kuhmilch die häufigste Ursache für eine Lebensmittelallergie im Kindesalter ist, wirft die Frage auf, ob der Konsum der Muttermilch einer anderen Spezies wirklich gesund für den Menschen ist28.

Vegetarisch leben - gesund und genussvoll
Vegetarier leben gesund. Die bisher weltweit umfangreichste Vegetarier-Studie der London School of Hygiene and Tropical Medicine mit 11 000 Personen ergab, dass praktisch alle Gesundheitsparameter bei Vegetariern deutlich bessere Werte aufweisen als bei der fleischessenden Kontrollgruppe. Neben häufigerem Idealgewicht, niedrigeren Blutdruck-, Blutfett- und Harnsäurewerten sowie besseren Nierenfunktionsleistungen haben Vegetarier eine deutlich höhere Lebenserwartung29. Dass die vegetarische Ernährung so gesund ist, liegt insbesondere daran, dass sie mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollgetreide enthält. Diese pflanzlichen Lebensmittel liefern essenzielle Nährstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe, die vor der Entwicklung chronischer Krankheiten schützen. Außerdem nehmen Vegetarier weniger gesundheitsgefährdende Stoffe wie gesättigte Fettsäuren und Cholesterin auf - denn diese sind hauptsächlich in Fleisch, Wurst sowie in fetten Milchprodukten wie Butter, Sahne und Käse enthalten.

Keine Angst vor Mangelerscheinungen
Die American Dietetic Association (ADA) kam nach einer umfassenden Untersuchung zur vegetarischen Ernährung in einem Positionspapier zu dem Schluss, dass eine gut durchdachte vegetarische Ernährung gesund ist, viele gesundheitliche Vorteile bietet und vor diversen Krankheiten schützt30. Wenn auf Ausgewogenheit geachtet wird, können laut dem Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund auch Kinder bedenkenlos ohne Fleisch ernährt werden31. Mittlerweile ist auch die rein pflanzliche vegane Ernährung von dem Vorurteil freigesprochen, den Körper nicht mit allen erforderlichen Nährstoffen zu versorgen. Immer mehr Ernährungswissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass eine ausgewogene vegane Vollwertkost gesund ist und eine ausreichende Eiweiß- und Energiezufuhr gewährleistet. In dem Positionspapier der ADA heißt es dazu: »Eine gut geplante vegane oder andere Art der vegetarischen Ernährung ist für jede Lebensphase geeignet, inklusive der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und Pubertät …«

Ernährungsform der Zukunft
Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen uns, dass eine ausgewogene Ernährung ohne Produkte vom Tier nicht nur möglich, sondern auch am gesündesten ist. Unser derzeitiger Ernährungsstil trägt wesentlich zur Klimaerwärmung bei. Er bedingt Umweltverschmutzung und Ressourcenverschwendung und macht eine globale Verteilungsgerechtigkeit von Lebensmitteln unmöglich. Dank zahlreicher Medienberichte und Dokumentationen kann niemand mehr behaupten, von dem Leid der sogenannten Nutztiere in den Intensivtierhaltungen nichts gewusst zu haben. Wir alle tragen dazu bei, wie unsere Zukunft und die der künftigen Bewohner unseres Planeten aussieht. Durch unsere Ernährungs- und Lebensweise können wir Einfluss nehmen - sowohl in die eine wie auch in die andere Richtung. Worauf warten wir noch?

Text: Christina Ledermann
Stand: Juni 2010


Weiterführende Literatur:
Bettina Goldner:
Umweltfreundlich vegetarisch: Genießerrezepte mit CO2-Berechnungen, Hädecke 2009
Claus Leitzmann:
Vegetarische Ernährung, UTB, Stuttgart, 2010
Claus Leitzmann:
Vegetarismus: Grundlagen, Vorteile, Risiken, C. H. Beck Wissen, 2. aktualisierte Auflage 2007.
Gill Langley:
Vegane Ernährung, Echo-Verlag, Göttingen, 1999
Kath Clements:
Vegan - Über Ethik in der Ernährung und die Notwendigkeit eines Wandels, Echo-Verlag, Göttingen, 1996



Was können Sie tun?

Verändern Sie Ihre Essgewohnheiten und probieren Sie vegetarische oder vegane Rezepte aus. Leckere Rezepte, Praxis-Tipps und weitere Informationen finden Sie auf der Webseite

Fragen Sie in Kantinen und Restaurants ohne vegetarische oder vegane Gerichte, warum dies nicht angeboten wird.

Wenden Sie sich an die Filialleitung Ihres Supermarktes und regen Sie an, vegetarische und vegane Produkte in das Sortiment aufzunehmen.

Kochen Sie auch für Ihre fleischessenden Freunde und Bekannten ein leckeres Gericht ohne Produkte vom Tier.

Versuchen Sie einen vegetarischen Wochentag in Ihrer Stadt anzuregen, an dem es in allen öffentlichen Institutionen, wie Kantinen, Mensen und Kindergärten nur vegetarische oder vegane Gerichte gibt.




Quellen
(1) Hamm, M.: Über den Tellerrand hinaus, in Die Zeit (2009), Nr. 51
(2) Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Lord Nicholas Stern, sagte in einem Interview in der britischen Zeitung »The Times«, dass der Fleischkonsum im Sinne des Klimaschutzes eingeschränkt werden müsste. Pagnamenta, Robin: Climate chief Lord Stern: Give up meat to save the planet. The Times, 27.10.2009. Dr. Rachendra Pachauri plädierte in einem Vortrag an der Universität Gent am 30.08.2008 für eine Reduzierung des Fleischkonsums, um den klimatischen Veränderungen entgegenzuwirken.
(3) Livestock's Long Shadow - Environmental Issues and Options (en), FAO 2006, Rom, 112 S.
(4) Livestock and Climate Change, Worldwatch Institute 2009, 11 S.
(5) Hirschfeld, J., Weiß, J., Preidl, M., Korbun, T. (2008) Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland. 55 S. Schriftenreihe des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) 186/08, Berlin.
(6) Methan und Lachgas: Die vergessenen Klimagase (2009). www.wwf.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-klima
(7) Klimafreundlich essen (2009). www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/tid-16517/ernaehrung-klimafreundlich-essen_aid_461022.html
(8) Futtern für das Klima (2009). www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/
0,1518,659296,00.html
(9) Schuler, C., Benning, R. (2006) Fleischfabriken boomen - Umweltstandards sinken. Der Boom der Massentierhaltung in Deutschland und seine Folgen für die Umwelt. 28 S. ff. Bund für Umwelt und Naturschutz, Berlin.
(10) Schuler, C., Benning, R. ibid.
(11) Ein Schwimmbad für ein Kilo Steak (2006). http://www.zeit.de/online/2006/35/bildergalerie-wasser?6
(12) Durch Fleischverzicht die Welt retten (2008). http://www.zeit.de/online/2008/31/weltvegetarier-kongress?page=all
(13) Gold, M., Porritt, J. (2004) The Global Benefits of Eating Less Meat, 23 S.
(14) Wettlauf um Nahrung und Ackerflächen. Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Getreideproduktion (2010). www.welthungerhilfe.de/nahrung-ackerflaechen.html
(15) Die Zukunft der Nahrung. Was wir morgen essen (2009). http://www.sueddeutsche.de/wissen/24/462638/text
(16) Flachowsky, G., Dänicke, S., Lebzien. P., Meyer, U. (2008) ForschungsReport 2008/02. Schwerpunkt: Globale Ernährungssicherung. 17 S. Senat der Bundesforschungsinstitute, Braunschweig.
(17) Statistisches Bundesamt, Presseportal (12.02.2010): http://www.presseportal.de/pm/32102/1560436/
statistisches_bundesamt
(18) Martin, M. (2008) Jahresbericht der Landesbeauftragten für Tierschutz in Hessen. 24 S., Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Wiesbaden.
(19) SCAHAW: Scientific Committee for Animal Health and Animal Welfare: The Welfare of Chickens kept for Meat Production (Broilers), European Commission, Health and Consumer Protection Directorate-General 2000. Nr. 6.5.2.
(20) Humans May Lose Battle With Bacteria, Medicinal Chemist's Research Shows (2008). http://www.sciencedaily.com/releases/2008/04/
080423181124.htm
(21) Antiinfektivaeinträge aus der Tierproduktion in terrestrische und aquatische Kompartimente. Zusammenfassung des Abschlussberichts, Fakultät für Naturwissenschaften, Anorganische und Analytische Chemie, Universität Paderborn 2005.
(22) Stoppt die Plünderung der Ozeane (2010). http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/ueberfischung
(23) The Welfare Of Farmed Fish, Compassion in World Farming 2009, Surrey, 14 S.
(24) Welcher Zuchtfisch darf auf den Teller? (2010) http://www.wwf.de/themen/meere-kuesten/ueberfischung/umweltsiegel/der-aquaculture-stewardship-council
(25) Vegetariern geht es gesundheitlich deutlich besser. In: Der Praktische Arzt, 3/1992
(26) Cancer incidence in British vegetarians, University of Oxford 2009.
(27) Prospective studies of dairy product and calcium intakes and prostate cancer risk: A meta-analysis. Natl. Cancer Inst. 2005.
(28) Accidental allergic reactions in children allergic to cow's milk proteins. J Allergy Clin Immunol 2009.
(29) British Medical Journal, 25.06.1994
(30) Position of the American Dietetic Association: Vegetarian Diets, Journal of the American Dietetic Association, Volume 97, Number 11, 1997.
(31) Ist eine vegetarische Ernährung für Kinder geeignet? Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund (2010) http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/
a_Ernaehrung/s_333.html
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Gerry Schneider:  Klimawandel und Hunger - Der Wahnsinn mit den Rindern

Uns droht eine Welt aus Völlerei und aus Hungersnöten. Wenn die Reichen ihre Essgewohnheiten nicht grundlegend ändern, wird unsere Zivilisation wohl nicht überleben.
Eine Außenansicht von Jeremy Rifkin

Der dramatische Anstieg der Energiepreise seit einem Jahr hat zu einem ebenso dramatischen Anstieg der Lebensmittelpreise rund um den Globus geführt.

Dazu kam der Klimawandel mit seinen negativen Auswirkungen auf die Landwirtschaft, er hat die Nahrungskrise weiter verschlimmert. Dürren, Überschwemmungen und andere Wetterextreme, die vom Klimawandel verstärkt werden, haben in vielen Teilen der Welt die Ernten zerstört.

Auf dem Welternährungsgipfel im Juni diskutierten Vertreter aus mehr als 180 Ländern über Lebensmittelknappheit, Klimawandel und Energiefragen. Während der gesamten Konferenz sprach jedoch keiner der Politiker über die eigentlichen Ursachen der Krise und darüber, wie die Landwirtschaft den Klimawandel beeinflusst.

Eine unübersehbare Peinlichkeit, die man lieber ignoriert, bezeichnen wir auf Englisch als einen "Elefanten im Zimmer". Beim Welternährungsgipfel war der Elefant eine Kuh. Die Fleischindustrie hat mehr als ein Drittel der weltweiten Landwirtschaftsflächen und riesige Mengen fossiler Brennstoffe verschlungen, nur um einem kleinen Teil der Weltbevölkerung am luxuriösen Ende der Lebensmittelkette ihr Dasein zu versüßen.

Indessen stehen mehreren hundert Millionen Menschen Unterernährung, Hunger und Tod bevor. Mit einem weiter steigenden Ölpreis wird die Kluft zwischen überfütterten Reichen und unterernährten Armen nur noch größer werden. Das Ergebnis ist eine Welt aus Völlerei und aus Hungersnöten.

Verstärkt wird dieses Problem durch die Tatsache, dass die Fleischproduktion die zweitwichtigste Ursache für den Klimawandel ist - eine Tatsache, die nicht einmal Al Gore anspricht. Wenn reiche Menschen ihre Essgewohnheiten nicht grundlegend ändern, wird unsere Zivilisation wohl nicht überleben.

Ernähren wir lieber Menschen oder Autos?
Viele Experten erklären die steigenden Lebensmittelpreise damit, dass immer mehr Ackerflächen für die Biospriterzeugung genutzt werden. Im Kern läuft diese Argumentation auf die Frage hinaus: Ernähren wir lieber Menschen oder Autos? Biosprit trägt definitiv zur Verteuerung von Essen bei - und könnte in Zukunft noch stärker dazu beitragen.

Doch noch sind die Auswirkungen ziemlich gering. Weniger als 3,5 Prozent der weltweiten Lebensmittelproduktion wurden im vergangenen Jahr für die Herstellung von Biosprit verwendet.

Die Frage ist daher nicht, ob wir Menschen oder Autos ernähren sollten. Sie ist auch nicht, ob wir kurzfristig die Ölförderung ankurbeln sollten. Die wirkliche Frage ist, ob wir mit dem vorhandenen Getreide Menschen oder Tiere versorgen wollen - und darüber möchte allem Anschein nach kein führender Politiker sprechen.

Die Welternährungsorganisation (FAO) hat sich vor zwei Jahren in einer Studie mit dem Thema befasst. Das Ergebnis: Im Jahr 2002 wurden insgesamt 670 Millionen Tonnen Getreide, also etwa ein Drittel der weltweiten Getreideernte, an Vieh verfüttert.

Das Brisante daran ist, dass immer mehr Ackerland dem Anbau von Futtermitteln gewidmet wird. Folglich bleibt weniger Land für die Herstellung von Lebensmitteln übrig, weshalb die Essenspreise für die Ärmsten steigen. Diese Entwicklung wird sich noch verschlimmern, wenn die Prognose der FAO zutrifft, nach der sich die weltweite Fleischproduktion bis 2030 verdoppelt. Das hätte zur Folge, dass noch viel mehr Ackerflächen umgewandelt würden, um Futter statt Essen anzubauen.

Dass mehrere hundert Millionen Menschen hungern, ist aber noch nicht das einzige Resultat dieses Prozesses. Ein ebenso wichtiger Zusammenhang besteht zwischen Tierfutter, der zunehmenden Fleischproduktion und dem Klimawandel. Doch anscheinend fühlte sich auf dem Ernährungsgipfel niemand wohl dabei, diese Verbindung anzusprechen.

Die Wahrheit ist, dass die Fleischerzeugung durch Zuchttierhaltung die zweitwichtigste Ursache für den Klimawandel ist, nach dem Energieverbrauch von Gebäuden. Rajendra Kumar Pachauri, der Vorsitzende des Weltklimarats und einer der zwei Träger des letztjährigen Friedensnobelpreises, hat alle Konsumenten aufgerufen, einen ersten Schritt gegen den Klimawandel zu unternehmen und weniger Fleisch zu essen.

Die FAO-Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Zuchtvieh für den Ausstoß von 18 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich ist. Das ist mehr, als der gesamte Transportsektor verursacht. Vieh erzeugt demnach neun Prozent des vom Menschen beeinflussten Ausstoßes von Kohlendioxid.

Bei den besonders schädlichen Treibhausgasen ist der Anteil noch viel größer: 65 Prozent der Lachgas-Emissionen stammen aus der Viehzucht, vor allem aus Stallmist. Lachgas hat einen 300-mal stärkeren Treibhauseffekt als Kohlendioxid. Zudem erzeugt Vieh 37 Prozent des Ausstoßes von Methan, das 23-mal stärker zur Klimaerwärmung beiträgt als Kohlendioxid.

Grenzwerte für Methan- und Lachgasemissionen
Wir beklagen, dass große, spritfressende Autos Energie verschwenden. Doch ist die Vergeudung noch viel größer, wenn Menschen immer mehr Fleisch aus der Tierzucht essen. Mit dem Anbau von Getreide kann man auf einem Hektar fünfmal mehr Eiweiß produzieren als mit Viehzucht. Mit Hülsenfrüchten wäre die Eiweißmenge sogar zehnmal und mit Blattgemüse ganze 15-mal größer.

Die Schlussfolgerungen sind klar: Für die Methan- und Lachgasemissionen der Landwirtschaft sollten Grenzwerte festgesetzt werden, damit Viehzüchter Anreize haben, ihre Emissionen zu reduzieren. Außerdem sollten wir höhere Steuern auf Futtergetreide und Fleisch erheben und zugleich Früchte und Gemüse steuerlich entlasten, um so die Essgewohnheiten zu verändern. Schließlich sollten wir in der Landwirtschaft mit weniger fossilen Brennstoffen und chemischen Mitteln - also auch mit weniger Genfood - auskommen und stattdessen die ökologische Landwirtschaft fördern.

Die Entschlossenheit zum Energiesparen und zur Reduktion von Emissionen, die wir gerade im Fall von Gebäuden und des Verkehrs zeigen, sollte mindestens genauso groß sein, wenn es um die Fleischproduktion geht. Im Interesse der Mitmenschen und unseres Planeten müssen die wohlhabenden Konsumenten ihre Essgewohnheiten gründlich überdenken, denn die Zeit verrinnt.

Der Ökonom Jeremy Rifkin ist Gründer und Präsident der Foundation on Economic Trends in Washington.

Übersetzung: Janek Schmidt. (SZ vom 05.08.2008/mcs/odg)
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dazu auch die leserkommentare auf dieser seite !!

http://www.sueddeutsche.de/wissen/902/304874/text/
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Gerry Schneider:  ..LEDER...................

Die Nachfrage nach Leder kommt vor
allem aus USA, Deutschland und
Großbritannien. So ziemlich jeder
trägt es, mit wenig oder keinem
Gedanken darüber, wo das Leder
herkam.

..INDISCHE KÜHE..
Tausende von indischen Kühen werden
jede Woche wegen ihrer Häute
geschlachtet, gekauft von armen
Familien in ländlichen Teilen von
Indien, die die Kühe nur verkaufen,
nachdem man ihnen versichert hat,
die Tiere könnten ihr Leben auf
Farmen zu Ende leben.

..BESCHLAGEN UND ANBINDEN..
Um die Tiere dorthin zu bringen, wo
sie legal getötet werden können -
da Rinderschlachten in den meisten
Teilen von Indien verboten ist -,
müssen die Tiere beschlagen und
zusammengebunden werden, in
Vorbereitung auf einen zermürbenden
Todesmarsch, der mehrere Tage
dauern kann. Gezwungen, durch Hitze
und Staub zu laufen, ohne Nahrung
oder Wasser, zusammen mit dem
bloßen Stress dieser erschreckenden
Erfahrung, führt dazu, dass viele
Tiere zusammenbrechen und nicht
mehr fähig sind, weiterzugehen.
Beachten Sie, dass die meisten
Tiere zum ersten Mal in ihrem Leben
in einem LKW fahren und
wahrscheinlich Angst haben,
insbesondere, wenn sie von den
Männern, die die LKWs beladen,
hastig oder grob behandelt wurden.
Die Geräusche und Bewegungen des
LKWs allein sind schon eine neue
Erfahrung - eine, die sie krank
macht. Nach ein oder zwei Tagen im
LKW ohne Nahrung oder Wasser sind
sie verzweifelt vor Hunger und
Durst, insbesondere da es für
solche Kühe normal ist, den ganzen
Tag lang zu essen.

..SCHWANZ BRECHEN..
Wenn aber die Tiere matt und
schwach werden, bricht man ihnen
die Knochen im Schwanz, um sie
wieder auf die Beine zu bringen,
indem man den Schwanz wiederholt an
mehreren Stellen knickt.

..KUHTREIBER..
Die Treiber müssen die Tiere
unentwegt in Bewegung halten, indem
sie sie an den Nasenseilen ziehen
und ihre Nacken, Hörner oder
Schwänze verdrehen. Sie führen,
oder vielmehr zwingen, die Tiere
Böschungen runter und in LKWs ohne
Rampen hinein und hinaus, was zu
Verletzungen wie gebrochenen
Becken, Beinen, Rippen und Hörnern
führt.

..CHILI-PFEFFER..
Chili-Pfeffer und Tabak werden
ebenso dazu verwendet, damit die
Tiere weiterlaufen. Hierzu wird das
Pfeffer direkt in die Augen
gerieben, um das Tier wieder auf
die Beine zu bringen.

..SCHLACHTUNG..
Und all das vor der Schlachtung.

Nicht weniger als die Hälfte der
Tiere werden zu dem Zeitpunkt, da
sie im Schlachthaus ankommen,
bereits tot sein. Aber um die
Erfahrung noch traumatischer und
erschreckender zu machen, werden
sie oft vor den Augen der anderen
Tiere getötet. Und statt des
erforderlichen schnellen Schnitts
durch die Kehle mit einem scharfen
Messer werden sie gewöhnlich durch
Hacken und Sägen mit einer stumpfen
Klinge getötet.

..GERBEN..
Danach werden die Häute dieser
Tiere an Gerbereien geschickt, die
tödliche Substanzen wie Chrom und
andere Toxine verwenden, um die
Verwesung aufzuhalten. Erinnern wir
uns: Leder ist totes Fleisch. Es
ist tote Haut und deswegen
natürlich, dass es sich zersetzt
und verrottet, es sein denn, es
wird mit so starken Substanzen wie
diesen behandelt. Und für die Leute
in den Gerbereien sind die
gesundheitlichen Auswirkungen
solcher Chemikalien - als Folge der
anhaltenden Nachfrage nach
Lederwaren - noch ein ganz anderes
Problem.

..VERKAUF..
Schließlich findet Leder von
indischen Kühen seinen Weg in die
Kleiderläden der ganzen Welt. Die
meisten größeren Einkaufsketten
verkaufen indisches Leder - Leder,
das von ganz anderen Kühen stammt
als jenen, die wir essen.
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Mac The Dog:  its really rare to see this many vegetarians... and this isnt even a vegetarian restaurant :)
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Gerry Schneider:  DIE WAHRHEIT ÜBER MILCH

Der Großteil der Milchkühe verbringt sein
Leben angekettet und bewegungsunfähig im
Stall. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt für
die Kuh die Dauerschwangerschaft. Nach der
künstlichen Besamung trägt sie neun Monate
lang ihr Kalb aus. In dieser Zeit stellen
sich Körper und Seele auf den Nachwuchs ein.
Es ist unvorstellbar grausam für die Mutter,
wenn ihr, in der Regel zwei Tage nach der
Geburt, das Kalb entrissen wird. Beide leiden
enorm unter der Trennung und das verzweifelte
Rufen nacheinander ist gewiss kein Zeichen
ländlicher Idylle. Das Kalb wird unter
Rotlicht in eine enge Box gezwängt und mit
Ersatzmilch gefüttert. Nachher wird es (meist
auf Spaltenböden) mit anderen Kälbern in
einen abgetrennten Raum gehalten. Die
weiblichen Tiere nehmen später die Plätze
ihrer Mütter ein. Weniger gesunde Tiere
werden meist schon nach ein paar Tagen
geschlachtet (bei etwa der Hälfte des in
Deutschland produzierten Rindfleisches
handelt es sich um "Nebenprodukte"
der Milchindustrie).

Genaue gesetzliche Regelungen zur Haltung von
"Milchkühen" fehlen in Deutschland
und in der EU. Von den rund vier Millionen
"Milchkühen" in Deutschland leben
60 bis 70 Prozent in sogenannten Laufställen,
Weidegang oder Auslauf sind selten. Auch die
Anbindehaltung, bei der eine Kuh lebenslang
angebunden im Stall steht und lediglich
aufstehen und sich hinlegen kann, ist noch
weit verbreitet. Die Haltung von Kälbern in
engen Einzelboxen ist bis zum Alter von acht
Wochen erlaubt. Weibliche Kälber gehen auch
in die "Milchproduktion",
Bullenkälber werden meist gemästet und
geschlachtet.

Zudem müssen weniger Kühe immer mehr Milch
liefern - durchschnittlich etwa 7.000 Liter
pro Tier pro Jahr, "Spitzentiere"
sogar bis zu 14.000 Liter. Dabei wird den
Kühen eine Stoffwechselleistung abverlangt,
die gravierende gesundheitliche Folgen hat -
von Euterentzündung und Milchfieber über
sinkende Fruchtbarkeit bis hin zu
Klauenerkrankungen. Schon mit vier oder fünf
Jahren sind die Tiere ausgezehrt und werden
geschlachtet, obwohl sie 20 Jahre und älter
werden könnten.

Die heutige Milchkuh ist eine Qualzucht. Ihre
Milchleistung wurde von 1.500 Liter pro Jahr
(1950) auf 6.000 Liter pro Jahr (1990),
mittlerweile auf 10.000 Liter pro Jahr
gesteigert. Für das Tier bedeutet das
ständige Schmerzen durch ein viel zu großes,
zum Bersten gefülltes Euter, das zehnmal mehr
Milch enthält als ein Kalb benötigen würde.
Außer selektiver Zucht gibt es noch andere
Methoden, um höhere Erträge zu erzielen. Bei
der Milchbildung, der sogenannten Laktation
wird normalerweise nur ein Zehntel des von
der Kuh aufgenommenen Proteins in Milch
umgewandelt. Um die Laktation zu steigern
werden die Tiere mit Proteinpellets aus
gepresstem Getreide gefüttert. Diese für sie
unnatürliche Nahrung führt zu
Stoffwechselproblemen. Hormone und
unregelmäßige Melkzyklen treiben die
Laktation ebenfalls an.

Durch die Haltung auf Spaltenböden erkranken
die Tiere häufig an den Klauen. Auch
Rückenschäden sind keine Seltenheit, denn die
Wirbelsäule der Kühe ist der Milchlast nicht
gewachsen. Durch das übergroße Euter
entstandene Entzündungen (Mastitis) und
andere Krankheiten werden mit Antibiotika
bekämpft, deren Rückstände sich in der Milch
befinden. Für den Menschen, der Kuhmilch
trinkt bedeutet das eine Gewöhnung und das
Risiko, gegen bestimmte Medikamente resistent
zu werden.

Der Großteil der Milchkühe verbringt sein
Leben angekettet und bewegungsunfähig im
Stall. Ab dem zweiten Lebensjahr beginnt für
die Kuh die Dauerschwangerschaft. Nach der
künstlichen Besamung trägt sie neun Monate
lang ihr Kalb aus. In dieser Zeit stellen
sich Körper und Seele auf den Nachwuchs ein.
Es ist unvorstellbar grausam für die Mutter,
wenn ihr, in der Regel zwei Tage nach der
Geburt, das Kalb entrissen wird. Beide leiden
enorm unter der Trennung und das verzweifelte
Rufen nacheinander ist gewiss kein Zeichen
ländlicher Idylle. Das Kalb wird unter
Rotlicht in eine enge Box gezwängt und mit
Ersatzmilch gefüttert. Nachher wird es (meist
auf Spaltenböden) mit anderen Kälbern in
einen abgetrennten Raum gehalten. Die
weiblichen Tiere nehmen später die Plätze
ihrer Mütter ein. Weniger gesunde Tiere
werden meist schon nach ein paar Tagen
geschlachtet.

DIE WAHRHEIT ÜBER EIER

Allein in Deutschland sterben jährlich etwa
100 Millionen Tiere für die Eierproduktion:
Als Eintagsküken vergast, als
"Ausschuss" getötet, in der Haltung
verendet oder als "verbrauchte
Legehenne" geschlachtet. 100 Millionen
sinnlos getötete, gequälte Tiere. Jedes
gekaufte Ei, gleich in welcher Haltung es nun
"produziert" wurde, tötet.

Warum das "Frühstücksei" eine
Familientragödie ist

Grundsätzlich gilt, dass wir keine Eier für
eine gesunde Ernährung und schon gar nicht
zum Überleben brauchen. Während unsere
hominiden Vorfahren gelegentlich ein Vogelei
aßen, konsumiert der moderne Mensch so viele
Eier, dass allein in Deutschland jährlich ca.
45 Millionen Tiere zur ständigen Eiablage
gehalten werden. Fast keinem dieser Tiere
wird annähernd die Gelegenheit gegeben, seine
natürlichen Verhaltensweisen auszuleben.

Genau so wenig wie Schnitzel auf Bäumen
wachsen, legen Hühner freiwillig Eier für
unsere Ernährung. In der Natur legt ein Huhn
etwa fünf bis sechs befruchtete Eier im Jahr
(bei gutem Futterangebot im Revier kommt auch
schon mal ein zweites Gelege vor), um sich zu
vermehren. Die sechs bis acht Eier in einem
Nest können aber auch von unterschiedlichen
Hennen stammen. Das Nest wird stets an einem
geschützten und gut versteckten Ort gebaut.
Wird ihnen ein Teil ihres Geleges geraubt,
z.B. durch Fressfeinde, ersetzt die Henne das
Ei. Genau dieser Effekt wird in der
Hühnerhaltung ausgenutzt, indem durch den
Menschen täglich Nestraub begangen wird. Der
Legeprozess ist im Übrigen nicht immer
schmerzfrei und erfolgt normalerweise im
Stehen.

Vor ein paar Jahrzehnten lag die Legeleistung
der Zuchthennen noch bei ca. 120 Eiern im
Jahr. Heute sind es je nach Haltungsart 250
bis 300 Eier im Jahr. Wie eingangs erwähnt,
haben sich Verhalten und Bedürfnisse der
Hühner trotz Domestikation nicht wesentlich
verändert. Durch die Qualzucht sind die
Hennen also gezwungen jeden Tag ein Ei zu
legen. Die Eier rollen auf Fließbändern davon
oder werden eingesammelt. Ihre Kinder kommen
in Brutkästen zur Welt, männliche Küken
werden schon einen Tag nach dem Schlüpfen
getötet, ihre weiblichen Geschwister wachsen
in Aufzuchtsfarmen ihrem Dasein als
Legemaschine und ihrem Ende als Suppenhuhn
entgegen.
Spätestens einen Tag nach dem Schlüpfen in
den Brutanlagen werden die Küken auf ein
Fließband gesetzt und nach Geschlecht
sortiert. Diesen Vorgang nennt man
"sexen". Männliche Tiere sind
naturgemäß nicht zum Eierlegen zu gebrauchen
und würden als Masthähnchen nicht schnell
genug Fleisch ansetzen, wie ihre extra dafür
gezüchteten Artgenossen. Am Ende des
Fließbandes befindet sich ein Trichter, der
die männlichen Küken in einen Apparat
leitet...
"der mit schnell rotierenden, mechanisch
angetriebenen Messern oder Schaumstoffnoppen
ausgestattet ist. Die Maschinenleistung muss
ausreichen, um eine große Zahl von Tieren
unverzüglich zu töten."

... heißt es im Gesetzestext - Anhang G der
EU-Richtlinie 93/119/EG. Etwa 45 Millionen
männliche Küken werden so jedes Jahr bei
lebendigem Leibe zerquetscht, zerschreddert
und auch vergast! Sie enden als Hunde- und
Katzenfutter, Tiermehl, Dünger auf dem Acker,
oder schlicht in der Mülltonne.

Die weiblichen Hühner dagegen wandern in die
Aufzuchtsanlagen, wo sie rund 20 Wochen bei
Dämmerlicht in Käfigen oder zu tausenden in
riesigen Hallen gehalten werden. Lange nicht
alle Hennen überleben diese Strapazen. Einige
werden auch getötet, weil sie sich nicht zu
profitabeln Legehennen entwickeln.
Löschen…
Gerry Schneider:  Das “Wohlergehen” der Tiere wird gross geschrieben in Ländern, in denen der Tierschutz etwas zählt. So auch in der Schweiz: “Wer mit Tieren umgeht, hat für ihr Wohlergehen zu sorgen”, steht in den Grundsätzen des Tierschutzgesetzes geschrieben.

Artgerecht sollen sie leben dürfen, ihren natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen gemäss. Jedenfalls “soweit es der Verwendungszweck erlaubt”, wie es im Gesetz einschränkend heisst.

Doch was bleibt eigentlich vom Wohl der Tiere übrig, wenn wir unsere “Verwendungszwecke” – Ernährung, Bekleidung, Forschung, Unterhaltung, Luxus – an sie herantragen und sie nur noch als “Nutztiere” gebrauchen?

Wie selbstverständlich und als würden solche Prozeduren das Wohl der Tiere nicht beeinträchtigen, werden sie sich selbst entfremdet, sie werden nummeriert, sozial beraubt, zwangsbesamt, eingesperrt, ausgestellt, gemästet, verfrachtet, geschlachtet und verarbeitet. Zuchtprogramme und Hightech im Stall optimieren am Laufmeter den Nutzen dieser “Ressourcen”, deren einziger Sinn und Zweck es offenbar ist, für uns da zu sein und von uns fast nach Belieben ausgebeutet zu werden.

Wenn das Wohlergehen der Tiere überhaupt zählt, dann ist es für uns ein Gradmesser ihrer Produktivität: 300 Eier wollen wir von einer Henne in einem Jahr, 500 Kilogramm Lebendgewicht von einem Mastrind, 7.000 Liter Milch von einer Kuh, im Minimum. Wir haben das Dasein dieser “Nutztiere” längst in reine Arbeitszeit verwandelt.

Dass die allermeisten von ihnen nur einen Bruchteil ihrer eigentlichen Lebenserwartung erreichen, dürfte uns nicht mehr bewusst sein. Sicher, Kälber leben kurz, Lämmer ebenso, das wissen wir. Aber Hühner, Schweine und Rinder?

Kaninchen sind bereits nach 10 Wochen “schlachtreif”, Enten nach 3 Monaten, Nerze auf Pelzfarmen werden nach 7 Monaten vergast. Dabei könnten all diese Tiere 10 Jahre oder älter werden. Dass ihre Lebensdauer derart beschnitten wird, gilt von offizieller Seite übrigens nicht als Tierquälerei – und wird auch von den KonsumentInnen offenbar nicht als solche empfunden. Vielmehr gehört diese Tatsache zur Normalität eines kühl kalkulierten Verwertungssystems, das empfindungsfähige Wesen schleunigst und effizient in Gebrauchsartikel verwandelt.

Ein langes und möglichst selbstbestimmtes Dasein zählt jedenfalls nicht zum viel zitierten “Wohlergehen” der Tiere.

Durchschnittliche “Nutzungs- und Lebensdauer” von Tieren im Verhältnis zu ihrer Lebenserwartung in gerundeten Prozenten (für die Lebenserwartung dieser Tiere in Jahren siehe Kasten unten)

42.0% Mutterschaf
42.0% Milchziege
30.0% Zuchtschwein
20.0% Milchkuh
12.0% Legehuhn
8.0% Lamm (Schaf)
6.5% Stier
6.0% Nerz (Pelztier)
5.0% Mastschwein
4.0% Mastrind
2.5% Gans
2.5% Lamm (Ziege)
2.0% Kalb
2.0% Ente
2.0% Mastkaninchen
1.5% Pute
1.0% Masthuhn
0.0% Küken



Die Angaben zur Lebenserwartung variieren in Abhängigkeit von Tierarten und Rassen. Die nachfolgenden Zahlen bemessen sich nicht nach einem Leben von “wilden Tieren in Freiheit” (Ausnahme: Nerze), sondern beruhen auf Daten über domestizierte “Nutztiere”, die unter semi-natürlichen Bedingungen gehalten werden.

Rind
Lebenserwartung 25 Jahre
Nutzungsdauer Stier 18 bis 20 Monate
Nutzungsdauer Milchkuh 4 bis 5 Jahre
Nutzungsdauer Mastrind 12 Monate
Nutzungsdauer Kalb 6 Monate

Schwein
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer Zuchtschwein 3 Jahre
Nutzungsdauer Mastschwein 6 Monate

Schaf
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer Mutterschaf 5 Jahre
Nutzungsdauer Lamm 4 bis 12 Monate

Ziege
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer Milchziege 5 Jahre
Nutzungsdauer Lamm 10 bis 15 Wochen

Kaninchen
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer Mastkaninchen 10 Wochen

Huhn
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer Legehuhn 17 Monate
Nutzungsdauer Masthuhn 3 bis 8 Wochen
Nutzungsdauer männliche Küken wenige Stunden

Pute
Lebenserwartung 15 Jahre
Nutzungsdauer 8 bis 12 Wochen

Ente
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer 10 Wochen

Gans
Lebenserwartung 12 Jahre
Nutzungsdauer 16 Wochen

Nerz
Lebenserwartung 10 Jahre
Nutzungsdauer Pelztier 7 Monate

Quellen: Tierpark Arche Warder // Norbert Benecke: Der Mensch und seine Haustiere (Stuttgart 2000) ..
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André Pix:  We should change the German title. Because this is an international community. Does somebody have a proposal? Is "Vegetarian and Vegans" okay?
Löschen…
André Pix:  We need more members...
Löschen…
André Pix:  An interesting "Nature" interview: "What it will take to feed the world"

http://www.nature.com/news/2010/100414/full/464969a.html